Vorläufiges Ergebnis Johannis gewinnt Präsidentenwahl in Rumänien

Rumänien bekommt ein deutschstämmiges Staatsoberhaupt. Nach Auszählung eines Drittels der Stimmzettel liegt Klaus Johannis deutlich vor Victor Ponta. Der Ministerpräsident hat seinem Rivalen schon zum Sieg gratuliert.
Vorläufiges Ergebnis: Johannis gewinnt Präsidentenwahl in Rumänien

Vorläufiges Ergebnis: Johannis gewinnt Präsidentenwahl in Rumänien

Foto: RADU SIGHETI/ REUTERS

Bukarest - Klaus Johannis hat die Präsidentenwahl in Rumänien gewonnen. Der deutschstämmige Politiker kam nach Auszählung der Stimmzettel in einem Drittel der Wahllokale auf 55,79 Prozent der Stimmen und besiegte damit seinen sozialistischen Rivalen, den Ministerpräsidenten Victor Ponta. Das erklärte das zentrale Wahlbüro in der Nacht zum Montag. Zu ähnlichen Ergebnissen waren die Parteien der beiden Kandidaten bei ihren parallel laufenden Auszählungen gekommen.

Ponta sagte, dass er Johannis schon zu dessen Sieg gratuliert habe. "Das Volk hat immer Recht", sagte er beim eiligen Verlassen seiner Parteizentrale in Bukarest. "Wir haben gesiegt, wir haben unser Land zurückgewonnen", schrieb Johannis bei Facebook. Seinen Sieg feierte er am Bukarester Universitätsplatz mit Tausenden jubelnden Anhängern.

Nachwahlbefragungen nach Schließung der Wahllokale um 20 Uhr hatten ein enges Rennen erwarten lassen. Bei dem Duell ging es um die Nachfolge des scheidenden Staatschefs Traian Basescu, der gemäß der Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte.

Viele Jugendliche gingen wählen

In der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen hatte Ponta noch deutlich vorn gelegen. Der ehemalige Staatsanwalt für Korruptionsfälle gilt als besonders verankert in der ländlichen Bevölkerung und hat den Rückhalt der einflussreichen Rumänisch-Orthodoxen. Nicht zuletzt wegen der zuletzt positiven Wirtschaftsentwicklung war er beflügelt in die Stichwahl gegangen.

Ausschlaggebend für Johannis' Sieg war Analysten zufolge die hohe Wahlbeteiligung bei der Stichwahl: Mit 61 Prozent der Stimmberechtigten lag sie diesmal um zehn Prozentpunkte höher als im ersten Wahlgang, bei dem keiner der 14 Kandidaten eine absolute Mehrheit erreicht hatte. Insbesondere viele Jugendliche gingen diesmal zur Wahl.

Zudem gingen dreimal mehr Auslandsrumänen als in der ersten Runde zu den Urnen: Beim ersten Wahlgang hatten Tausende Auslandsrumänen ihre Stimme nicht abgeben können, weil die Konsulate den Ansturm nicht bewältigen konnten. Die bürgerlichen Gegner Pontas warfen der Regierung daraufhin vor, die Abstimmung der Auslandsrumänen absichtlich zu erschweren, weil diese erfahrungsgemäß keine Linken wählen.

Tumulte vor rumänischer Botschaft in Paris

Am Sonntag bildeten sich unter anderem vor Wahlbüros in Paris, London und Turin lange Warteschlangen. In der französischen Hauptstadt ging die Polizei vor der rumänischen Botschaft mit Tränengas gegen aufgebrachte Rumänen vor, die bei der Schließung des Gebäudes am Abend versuchten, dort einzudringen, um noch ihre Stimme abzugeben. Ein Polizeisprecher gab die Zahl der vor der Botschaft versammelten Menschen mit 1000 bis 2000 an.

Johannis kandidierte für die Christlich-Liberale Allianz (ACL) mit dem Versprechen, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken und ausländische Investoren anzulocken. Der ehemalige Physikprofessor war vor 14 Jahren als Bürgermeister ins Rathaus von Hermannstadt (Sibiu) eingezogen und wurde seither dreimal wiedergewählt. Als Deutschrumäne und Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche vertritt er gleich zwei gesellschaftliche Minderheiten.

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