Rumsfeld im Irak "Fragt nicht, wann ihr nach Hause kommt"

Pentagon-Chef Donald Rumsfeld hat den US-Soldaten im Irak einen Überraschungsbesuch abgestattet. Hoffnung auf eine baldige Heimkehr konnte er ihnen nicht machen. Frühestens nach der Wahl im Januar sei an eine Truppenreduzierung zu denken.


Rumsfeld mit US-Soldaten auf dem Luftstützpunkt al-Asad
REUTERS

Rumsfeld mit US-Soldaten auf dem Luftstützpunkt al-Asad

Bagdad - Bis Januar könnten sogar noch mehr US-Soldaten in den Irak geschickt werden, da mit einer Zunahme der Anschläge und Angriffe vor der Wahl gerechnet wird, hatte Rumsfeld auf dem Flug in die Region angedeutet.

"Unsere Hoffnung ist, dass wir mit dem Aufbau der irakischen Streitkräfte unsere Truppen entlasten und die Koalitionsstreitkräfte reduzieren können, vielleicht nach der Wahl", sagte Rumsfeld. Aber alles hänge von der Sicherheitslage im Land ab, betonte der US-Verteidigungsminister vor rund 1500 Marineinfanteristen auf einem Flugplatz in der irakischen Unruheprovinz Anbar. Den Soldaten dort war zuvor genau gesagt worden, was sie nicht fragen dürfen. "Fragt nicht, wann ihr nach Hause kommt. Wir sagen euch, wann ihr nach Hause kommt", sagte Hauptfeldwebel Dennis Reed.

Es war Rumsfelds sechster Besuch im Irak seit dem Sturz Saddam Husseins und sein erster in Anbar, in der das so genannte sunnitische Dreieck mit den Widerstandshochburgen Falludscha, Ramadi und Samarra liegt.

Im Schnitt wird derzeit täglich mehr als ein US-Soldat im Irak getötet. Die Kämpfe und Anschläge hielten auch am Wochenende an. Auch in Anbar wurde am Samstag wieder ein US-Soldat getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. Bei zwei Bombenanschlägen in Bagdad kamen gestern elf Menschen ums Leben, darunter ein US-Soldat, 17 weitere Personen wurden verletzt. Zu diesen Autobombenanschlägen bekannte sich die Terrororganisation Tawid und Dschihad des jordanischen Extremistenführers Abu Mussab al-Sarkawi.

Beim schwersten Anschlag sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Kleinbus vor einer Polizeischule in Bagdad in die Luft. Zehn Iraker wurden dort getötet. Bei einem weiteren Autobombenanschlag nahe einem Markt explodierte ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug, als ein US-Militärkonvoi vorbeifuhr. Ein verletzter Soldat starb später im Lazarett. Zudem wurde in Bagdad ein Geheimdienstbeamter aus einem vorbeifahrenden Auto heraus erschossen.

Eine Entspannung der Lage zeichnete sich unterdessen in Bagdad im schiitischen Stadtteil Sadr-Stadt ab, den die Anhänger des radikalen Predigers Muktada al-Sadr beherrschen. Ein Berater des Geistlichen teilte am Samstag mit, die Miliz Sadrs werde heute mit der Abgabe ihrer mittleren und schweren Waffen beginnen.

Zehn im Irak entführte Türken sind einem Fernsehsender zufolge freigelassen worden, nachdem ihre Firma den Forderungen der Geiselnehmer nachgegeben hatte. Der Sender al-Dschasira berichtete gestern unter Berufung auf eine Erklärung der Entführer, der angekündigte Rückzug der Baufirma Vinsan aus dem Irak sei der Grund für die Freilassung der Männer.

Am 18. September hatte der Sender nach eigenen Angaben ein Videoband von dem Abu-Bakr-al-Seddik-Bataillon erhalten, in dem mit einer Tötung der Geiseln gedroht wurde. Seit April sind zahlreiche Ausländer im Irak entführt worden. Mindesten 32 von ihnen sind getötet worden.



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