Rumsfeld-Interview Christiansen zeigt TV von vorgestern

Es sollte der Höhepunkt des Fernsehabends werden: Sabine Christiansen im Gespräch mit US-Hardliner Donald Rumsfeld. Doch nun stellt sich heraus, dass die ARD den Zuschauern Fernsehen von vorgestern präsentieren will. Das Interview wurde am Freitag aufgezeichnet - vor der entscheidenden Sicherheitskonferenz in München.

Berlin - Der wegen seiner drastischen Formulierungen zur Rolle Deutschlands im Irak-Konflikt kritisierte US-Verteidigungsminister schlug versöhnliche Töne an. In dem Interview für die ARD-Sendung, die am Sonntagabend gesendet werden sollte, wandte er sich gegen eine Dramatisierung des Konflikts zwischen den USA und der rot-grünen Bundesregierung.

Das Gespräch aber, das am Freitag durchaus für Schlagzeilen gesorgt hätte, ist mittlerweile längst überholt: Bei der Sicherheitskonferenz brach der transatlantische Konflikt wieder auf, und obendrein stellten Deutschland und Frankreich zum Ärger der Amerikaner ihren gemeinsamen Irak-Plan vor. Die Redaktion von "Sabine Christiansen" erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, das Interview dennoch senden zu wollen - mit einem Hinweis auf sein Alter.

Sprecher Michael Wedell meinte, die Worte Rumsfelds blieben von der seit Freitagabend dramatischen Entwicklungen in der Irak-Frage unberührt. Er verwies auf ein "exklusiv freigegebenes" Zitat von Rumsfeld-Berater Richard Perle: "Herr Schröder ändert vielleicht seine Meinung alle zwei Stunden, Herr Rumsfeld nicht."

Rumsfeld hatte laut Vorabmeldung der ARD gesagt: "Ich glaube, dass die Beziehungen zwischen den Menschen in Deutschland und Amerika hervorragend sind." Mit Unverständnis reagierte der Pentagon-Chef auf die Empörung darüber, dass er Deutschland im US-Kongress in einem Atemzug mit Libyen und Kuba genannt hatte. "Die deutsche Regierung hat eine Entscheidung getroffen, und die anderen Regierungen haben auch ihre Entscheidungen getroffen", sagte Rumsfeld laut ARD. "Ich habe lediglich korrekt wiedergegeben, was diese Länder öffentlich erklärt haben und verstehe nicht, warum man so empfindlich und besorgt darauf reagiert."

Tags darauf aber krachte es wieder zwischen Washington und Berlin: Auf der Münchner Sicherheitskonferenz kamen sich beide Seiten in der Sache keinen Millimeter näher, und auch der Ton blieb rauh. So suggerierte Rumsfeld etwa, dass die deutsche Bevölkerung im Unterschied zu ihrer Regierung einen Krieg durchaus befürworte, was Bundesaußenminister Joschka Fischer scharf zurückwies. Die deutsch-französische Blockade von Nato-Militärhilfe für die Türkei nannte Rumsfeld "unentschuldbar".

Dann wurde am Samstag während der Sicherheitskonferenz durch einen Bericht des SPIEGEL der deutsch-französische Irak-Plan bekannt. Die Amerikaner, die nicht das Geringste von der Initiative wussten, schäumten. "So sammelt man keine Punkte bei uns", hieß es aus Rumsfelds Delegation.

Im Interview mit Sabine Christiansen hatte der US-Verteidigungsminister noch ganz anders geklungen. Es sei häufig vorgekommen, dass Nato-Länder unterschiedlicher Meinung waren. "Dies ist in Ordnung, das passiert eben. Es handelt sich um souveräne Staaten, die diese Entscheidungen selbstständig treffen können und dies auch tun", erklärte Rumsfeld. "Dafür habe ich Verständnis. Ich erwarte nicht, dass alle Länder immer in jeder Frage übereinstimmen."

Ob Rumsfeld das heute immer noch sagen würde, dürfte mehr als fraglich sein.

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