Rumsfeld zum Truppenabzug "Wir rechnen nicht mit Sowjet-Panzern in der norddeutschen Tiefebene"

Pentagon-Chef Donald Rumsfeld lässt sich von der Kritik an dem Abzug eines Großteils der US-Truppen aus Europa und Asien nicht beeindrucken. Die USA hätten nicht die Absicht Verbündete aufzugeben und eine Festung Amerika zu bilden, versichert der Minister.


In Ramstein stationierter US-Soldat: "Der Kalte Krieg ist vorbei"
REUTERS

In Ramstein stationierter US-Soldat: "Der Kalte Krieg ist vorbei"

Washington - US-Präsident George W. Bush hatte am Montag seinen Plan vorgelegt, nach dem in den kommenden zehn Jahren 60.000 bis 70.000 US-Soldaten aus Europa und Asien abgezogen werden sollen. Allein aus Deutschland sollen rund 30.000 US-Soldaten zurückgerufen werden.

"Der Kalte Krieg ist vorbei", sagte Rumsfeld bei einer Anhörung vor dem Streitkräfte-Ausschuss des US-Senates. "Wir rechnen nicht damit, dass ein sowjetischer Panzer über die norddeutsche Tiefebene angreift."

Rumsfeld reagierte auf Kritik der oppositionellen Demokraten, die von einem Wahlkampftrick und einem Beispiel für Alleingänge der amtierenden Regierung sprachen. Auch der republikanische Senator John McCain, ein Parteifreund von Rumsfeld und Bush, hatte sich besorgt über den geplanten Truppenabzug geäußert. "Ich hoffe, dass das nicht ein Rückzug zur Festung Amerika wird, wie es einige Kritiker vermuten", sagte McCain. Er zeigte sich insbesondere über eine Truppenreduzierung in Südkorea besorgt, da das kommunistische Nordkorea vermutlich niemals gefährlicher gewesen sei als gegenwärtig.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck sagte, es sei noch unklar, wie stark und über welchen Zeitraum die Standorte der US-Armee in Deutschland betroffen sein werden. In Kreisen der Bundesregierung hieß es, über Einzelheiten der Umsetzung des Truppenabzugs bleibe die Regierung mit den USA im Gespräch.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di schätzt, dass der geplante Truppenabzug Zehntausende Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen gefährdet. Experten wiesen aber auch auf die wirtschaftlichen Chancen einer Umnutzung militärischer Einrichtungen hin und forderten die betroffenen Kommunen auf, früh eine neue Nutzung der freiwerdenden Flächen zu planen.



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