Run aufs Weiße Haus 300.000 Amerikaner bewerben sich bei Obama

So viel Ansturm war noch nie: Schon jetzt haben sich 300.000 US-Bürger für einen Job in der Regierung Obama beworben - Vorgänger Bush erhielt weit, weit weniger Anfragen. Der künftige Präsident wird kräftig sieben müssen, denn er hat nur 8000 Jobs zu vergeben.


Washington - Bis zu seiner Amtseinführung am 20. Januar dauert es noch einige Wochen, aber schon jetzt türmen sich beim künftigen US-Präsidenten Barack Obama Stapel von Anfragen für einen Job in seiner Regierung: "Wir haben mehr als 300.000 Bewerbungen bekommen", sagte Obama-Sprecher Nick Shapiro "CNN Radio". Dies entspricht ungefähr der Einwohnerzahl Islands.

Büro von Obamas Übergangsteam in Chicago: Bewerberandrang für 8000 Jobs
AP

Büro von Obamas Übergangsteam in Chicago: Bewerberandrang für 8000 Jobs

Schon jetzt steht allerdings fest, dass viele leer ausgehen werden. Dem CNN-Bericht zufolge hat Obama rund 8000 Jobs in seiner Regierung zu vergeben, dazu gehören Stellen unter anderem in Ministerien und Kommissionen.

Die Bewerberflut ist schon jetzt ohne Beispiel: Als Bill Clinton 1993 sein Amt als US-Präsident antrat, hatten sich rund 100.000 Jobinteressenten gemeldet, beim bald scheidenden US-Präsidenten George W. Bush waren es im Januar 2001 gerade einmal 44.000. Und bis zur Amtseinführung Obamas werden weitere Bewerbungen eintreffen.

Die Bewerberflut macht sich inzwischen auch bei Jobvermittlern bemerkbar: Personalvermittlungsunternehmen haben in den vergangenen Wochen eine sprunghaftes Wachstum bei Jobinteressenten verzeichnet. "Das Interesse ist riesengroß", sagte Scott Kirk, Chef von CareerPro Global in Macon im US-Bundesstaat Georgia. "Hochqualifizierte Leute aus der privaten Wirtschaft wollen plötzlich in der Regierung mitarbeiten", sagte Kirk. Etliche der Bewerber hätten ihre Lebensläufe abstauben müssen, weil sie schon seit Jahren im Job sein und sich lange nicht mehr beworben hätten: "Ich spreche von Kandidaten, die seit 10 oder 20 Jahren in ihren Jobs sind", sagte Kirk.

Das Spektrum der Bewerber ist Kirk zufolge weit gefächert: Die Interessenten würden aus der Industrie aber auch von Non-Profit-Organisationen kommen. Viele seien bereit, einen gut dotierten und sicheren Arbeitsplatz für einen Job in der Obama-Regierung zu tauschen.

Auch in Washington spüren Jobvermittler den Ansturm, wie Nels Olson von Korn/Ferry International bestätigten.

Für die Mehrheit läuft die Bewerbung aber direkt - und über das Internet. Auf der Seite change.gov/page können sich Interessenten für einen Job in Obamas Regierung bewerben. Obama hatte auch bereits seinen Wahlkampf stark im Internet geführt und dort zu Spenden aufgerufen.

Obama-Sprecher Shapiro ist von der Zahl der Bewerbungen beeindruckt - und weiß, dass den Mitarbeitern, die die Bewerbungen auf Qualifikation, Erfahrung und Fachkenntnis prüfen, viel Arbeit bevorsteht: "Das wird ganz bestimmt eine Herausforderung", sagte Shapiro.

hen



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