Russische Diplomatie Putin gegen Irak-Wahl unter US-Besatzung

Russlands Präsident Putin hat scharfe Kritik an den im Irak geplanten Wahlen geübt. Er könne sich nicht vorstellen, wie diese unter "fremder Besatzung" organisiert werden könnten. Putin sagte ferner, er erwarte, dass die Interessen russischer Firmen beim Wiederaufbau des Irak berücksichtigt würden.


Putin: eine Reihe verärgerter Kommentare
AFP

Putin: eine Reihe verärgerter Kommentare

Moskau - Unter den gegenwärtigen Umständen sei die für den 30. Januar geplante Wahl im Irak nicht vorstellbar, sagte Wladimir Putin während des Besuchs des irakischen Übergangsministerpräsidenten Ijad Alawi in Moskau. "Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, wie es möglich sein soll, Wahlen unter der Besatzung ausländischer Streitkräfte abzuhalten", sagte Putin in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

Weiter sagte Putin, er erwarte, dass die Interessen russischer Firmen beim Wiederaufbau des Irak berücksichtigt würden. Sein Land sei bereit, einen Beschluss des Pariser Clubs der Gläubigerstaaten mitzutragen, 80 Prozent der irakischen Auslandsschulden zu erlassen. Die irakischen Verbindlichkeiten gegenüber Russland belaufen sich nach Medienberichten auf 10 Milliarden US-Dollar (7,5 Milliarden Euro).

Alawi hatte bei dem Besuch in Moskau Russland eine "führende Rolle" beim Wiederaufbau seines Landes für den Fall eines Schuldenerlasses zugesichert. Eine entsprechende Entscheidung werde sich positiv auf irakische Aufträge auswirken, sagte Alawi bei dem Treffen mit Putin.

Putins Kritik an dem von Bush angestrebten Wahltermin kommt nach einer ganzen Reihe verärgerter Kommentare des russischen Präsidenten über die Äußerungen westlicher Regierungschefs zu den Wahlmanipulationen in der Ukraine.

Russische Regierungsmitglieder und deren Berater sehen in der Unterstützung des ukrainischen Oppositionsführers Wiktor Juschtschenko den Versuch, den Einfluss des Westens in der Ukraine zu verstärken - weniger als ein Bemühen um mehr Demokratie. Putin hatte den russlandfreundlicheren Kandidaten des scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma, Wiktor Janukowitsch, öffentlich unterstützt.

US-Präsident George W. Bush erwiderte in einer indirekten Reaktion auf Putins Kritik, er rechne bis zu den irakischen Wahlen mit noch mehr Gewalt und Terror. Die Terroristen wüssten, was auf dem Spiel stehe, weil freie Wahlen den Mythos von einer ausländischen Besatzung zerstörten, sagte Bush am Dienstag vor Einheiten der Marineinfanterie in Camp Pendelton in Kalifornien.

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