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"Arctic Sunrise": Greenpeace-Aktivisten in russischer Haft

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Ermittlungen in Russland Justiz wirft Greenpeace-Aktivisten Drogenbesitz vor

Die russischen Behörden erheben weitere Vorwürfe gegen die festgenommenen Greenpeace-Aktivisten. Auf ihrem Schiff seien Schlafmohn und Morphium gefunden worden. Die Umweltschützer weisen die Anschuldigung zurück - und vermuten eine Verschwörung.

Moskau - Die Situation der in Russland festgesetzten Greenpeace-Aktivisten hat sich noch einmal dramatisch verschärft. Die russischen Behörden melden, an Bord des Greenpeace-Schiffs "Arctic Sunrise" seien Drogen und andere illegale Güter entdeckt worden. Dies teilten Ermittler am Mittwoch in Moskau mit. Die "Arctic Sunrise" war am 19. September in der Arktis aufgebracht und die Greenpeace-Aktivisten wegen "bandenmäßiger Piraterie" festgenommen worden.

Die neuen Vorwürfe werden demnach gegen einige der 30 Greenpeace-Leute erhoben, denen bereits nach den bisherigen Vorwürfen bis zu 15 Jahre Haft drohen. Ein offizielles Verfahren wurde eingeleitet.

Auf der "Arctic Sunrise" seien "offenbar Stängel von Schlafmohn und Morphium" aufbewahrt worden, hieß es in einer schriftlichen Erklärung der Ermittler. Schlafmohn wird für die Herstellung von Opium und Heroin benötigt.

Die Umweltorganisation wies die jüngsten Vorwürfe zurück. Die eigenen Regeln würden Drogenbesitz verbieten, sagte der Jurist Michail Krejndlin der Agentur Interfax. Zudem liege das Schiff schon lange ohne Crew im Hafen von Murmansk vor Anker. "Ich will niemanden beschuldigen, aber dort kann man finden, was man will", sagte Krejndlin.

Greenpeace-Chef will "Garant für gute Führung" sein

Die Gruppe von Umweltschützern aus insgesamt 18 Ländern hatte am 18. September versucht, eine Bohrinsel des russischen Gazprom-Konzerns in der Arktis zu entern. Damit wollten sie auf Umweltrisiken durch die Gas- und Ölförderung in dem Gebiet aufmerksam machen. Ihr Schiff wurde von der russischen Küstenwache aufgebracht und nach Murmansk geschleppt. Seither sitzt die Besatzung in Untersuchungshaft.

Die Umweltorganisation hat die Vorwürfe der Piraterie als "unzutreffend, unbegründet und illegal" zurück gewiesen und angekündigt, bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zu ziehen.

Greenpeace-Chef Kumi Naidoo bat inzwischen um ein Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Naidoo bot schriftlich an, im Falle ihrer Freilassung persönlich für die Umweltschützer zu bürgen. Er sei bereit, bis zur Klärung der Angelegenheit nach Russland zu ziehen, schrieb Naidoo an Putin. Sollten sie auf Kaution entlassen werden, biete er sich als "Garant" für die "gute Führung" der angeklagten Aktivisten an.

jok/AFP/dpa