Razzia gegen Opposition Russische Polizei durchsucht offenbar Büroräume der Nawalny-Stiftung

Mit Razzien in 15 russischen Städten soll die Polizei gegen die Anti-Korruptions-Stiftung FBK von Alexej Nawalny vorgegangen sein. Die Regierung stuft sie als "Agenten des Auslands" ein.

Alexej Nawalny (Archivfoto aus dem Gerichtssaal) gilt als schärfster Kritiker des Kreml
DPA/Pavel Golovkin

Alexej Nawalny (Archivfoto aus dem Gerichtssaal) gilt als schärfster Kritiker des Kreml


Alexej Nawalny gilt als prominentester Kremlkritiker Russlands. Nun hat die russische Polizei laut seinen Angaben Dutzende Büros seiner Anti-Korruptions-Stiftung FBK durchsucht. Wie Nawalny im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte, waren ab Dienstagmorgen landesweit mindestens 30 Adressen betroffen. "Das russische Strafverfolgungssystem nutzt all seine Kräfte, um korrupte Beamte und Bestechungsempfänger zu schützen", schrieb der Oppositionsführer.

Es sei bereits die "dritte Welle von Durchsuchungen" gewesen, teilte er weiter mit. FBK-Stiftungsdirektor Iwan Schdanow sagte, die Durchsuchungen hätten in 15 russischen Städten stattgefunden. Auch vor den Moskauer Büros hätten sich Ermittler aufgehalten.

In der vergangenen Woche hatte die russische Regierung Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung als "Agenten des Auslands" eingestuft. Diese Bewertung ermöglicht dem Kreml eine schärfere Überwachung der Stiftung.

Nawalny nennt Vorgehen des Kreml "Hysterie"

Russische Behörden werfen Nawalnys Stiftung vor, Gelder aus dem Ausland zu erhalten - was diese jedoch bestreitet. Im August hatte die Justiz Ermittlungen gegen die Stiftung eingeleitet und deren Konten eingefroren. Gegen den Fonds wurde der Verdacht erhoben, Geldwäsche in einem Umfang von einer Milliarde Rubel (etwa 14 Millionen Euro) betrieben zu haben.

Die Polizei war erst vor einem Monat im großen Stil gegen Nawalnys Anhänger vorgegangen - kurz nach der Regionalwahl. Der Kremlkritiker und sein Team hatten wegen des Ausschlusses von Oppositionellen bei der Abstimmung in Moskau zu Protesten aufgerufen. Zudem warb Nawalny für eine "smarte Stimmabgabe", bei der die Bürger alle wählen sollten - nur nicht die Kandidaten der Kremlpartei.

Nawalny betrachtet das Vorgehen des Kreml gegen seine Stiftung als das Ergebnis einer "Hysterie", die sich im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen entwickelt habe. Nach zahlreichen Großdemonstrationen der Opposition büßten die kremltreuen Parteien einen Großteil ihrer Mandate ein. Nawalny verbüßte im Juli und August eine 30-tägige Freiheitsstrafe, weil er nicht genehmigte Demonstrationen organisiert hatte.

höh/dpa/AFP

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