SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. November 2014, 10:30 Uhr

Heidrun Anschlag

Russische Spionin wurde offenbar von Moskau freigekauft

Heidrun Anschlag hat Deutschland verlassen - dabei war die russische Agentin zu jahrelanger Haft verurteilt worden. Warum diese Wendung? Laut SPIEGEL-Informationen vermuten Sicherheitskreise, dass Moskau den Deal finanziert hat.

Hamburg - Die größte deutsch-russische Spionageaffäre seit dem Mauerfall nimmt eine spektakuläre Wendung: Heidrun Anschlag, wegen Agententätigkeit im Auftrag Moskaus im Sommer 2013 zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, ist auf freiem Fuß und in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie wurde vorvergangene Woche aus der Haft entlassen und ausgewiesen.

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Dabei dürfte die Agentin des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR Hilfe aus Moskau erfahren haben: Um freizukommen, musste sie ungefähr eine halbe Million Euro bezahlen. Das hatte das Oberlandesgericht Stuttgart ihr und ihrem ebenfalls verurteilten Mann gesamtschuldnerisch auferlegt.

Die Summe entspricht dem geschätzten Agentenlohn der beiden. Hinzu kommen Prozesskosten. In Sicherheitskreisen hieß es nach Informationen des SPIEGEL, es sei "nicht anders vorstellbar", als dass Moskau das Geld zur Verfügung gestellt habe. Dass die Anschlags ihr Privatvermögen dafür eingesetzt haben, wird als unwahrscheinlich angesehen.

Andreas und Heidrun Anschlag hatten über 20 Jahre in der Bundesrepublik spioniert. Die Frau konnte nun ausgewiesen werden, da sie über die Hälfte ihrer Freiheitsstrafe verbüßt hat. Ihr Mann, der zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, sitzt noch im Gefängnis.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung