Russischer Wahlkampf Medwedew droht USA mit Atomraketen

Mit einer scharfen Drohung an die USA versucht Kreml-Chef Dmitrij Medwedew im russischen Wahlkampf zu punkten. Der Präsident und Spitzenkandidat seiner Partei kündigt Atomraketen an der Nato-Grenze an, falls die Amerikaner an den Plänen für einen Abwehrschild festhalten.
Medwedew: Drohgebärden nach Washington

Medwedew: Drohgebärden nach Washington

Foto: RIA Novosti/ REUTERS

Moskau - Die Drohung ist nicht neu, soll aber offenbar die russischen Wähler beeindrucken. Präsident Dmitrij Medwedew hat mit der Aufstellung von Atomraketen in Kaliningrad gedroht, wenn die USA keine Zugeständnisse beim Bau ihres Raketenschilds in Europa machen.

Sollten die russischen Bedenken nicht berücksichtigt werden, werde Russland "moderne Angriffssysteme" im Süden und Westen aufstellen, kündigte Medwedew am Mittwoch im russischen Fernsehen an. Atomwaffenfähige Raketen des Typs Iskander könnten zu diesem Zweck in die westrussische Exklave Kaliningrad gebracht werden.

Sollten die USA wie geplant ein Raketenabwehrsystem in Europa installieren, werde Moskau mit diesen Waffen den Schutzschild durchbrechen und zerstören können, sagte der Kreml-Chef. Medwedew drohte auch damit, dass Russland aus dem Vertrag mit den USA über atomare Abrüstung aussteigt. Das international begrüßte Start-Abkommen war erst im Februar 2011 in Kraft getreten.

Medwedew ist bei den Parlamentswahlen am 4. Dezember Spitzenkandidat der Regierungspartei Geeintes Russland. Er will im kommenden Jahr Ministerpräsident werden. Im Gegensatz zum jetzigen Ministerpräsidentin Wladimir Putin gilt Medwedew als durchsetzungsschwach. Putin wiederum dürfte Medwedew Anfang des Jahres wieder als Präsidenten ablösen.

Medwedew hatte den USA schon im Mai dieses Jahres mit einem Ausstieg aus dem Start-Vertrag gedroht, wenn Washington an seinen Schutzschild-Plänen festhalte.

Nach Angaben der Nato richtet sich der Schild jedoch vor allem gegen Raketen aus Iran, in Russland wird er aber als Störung des militärischen Gleichgewichts gesehen. Moskau besteht weiterhin auf schriftlichen Garantien, dass der Abwehrschild nicht die russische Fähigkeit zu einem Gegenschlag im Falle eines Atomangriffs beeinträchtigt. Verhandlungen über die Kooperation beim Bau zweier getrennter Raketenschilder führten bisher zu keinem Erfolg.

als/AFP/dpa/dapd
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