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13. August 2018, 19:25 Uhr

Russlandaffäre

FBI feuert Trump-Kritiker

Er war an den Ermittlungen in der Russlandaffäre beteiligt und hatte Donald Trump in privaten SMS kritisiert. Jetzt wurde FBI-Mitarbeiter Peter Strzok entlassen. Er ist nicht der erste.

SMS-Nachrichten über Donald Trump sind ihm zum Verhängnis geworden: Das FBI hat den Mitarbeiter Peter Strzok gefeuert. Das teilte dessen Anwalt mit. Strzok sei "unter politischem Druck" entlassen worden, obwohl ein internes Disziplinarverfahren lediglich eine Suspendierung für 60 Tage sowie eine Herabstufung seines Dienstgrades empfohlen habe, sagte Aitan Goelman dem Portal "Politico" und anderen US-Medien.

Strzok hatte zunächst die Email-Affäre der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton untersucht, später gehörte er zum Team von Robert Mueller, dem Sonderermittler in der Russland-Affäre. In vertraulichen SMS-Nachrichten aus dem Jahre 2016 an die FBI-Anwältin Lisa Page, mit der er eine Affäre hatte, hatte Strzok auf deren Frage, ob Trump jemals US-Präsident werde, geantwortet: "Nein. Nein, wird er nicht. Wir werden das stoppen." In einer anderen SMS hatte Strzok Trump als "Desaster" bezeichnet.

Als Mueller im vergangenen Jahr davon erfuhr, trennte er sich von Strzok, um jedem Anschein von Befangenheit vorzubeugen. Doch Trump-freundliche Kreise lancierten die SMS an die Medien.

Präsident Trump jubelte dementsprechend per Tweet über die Entlassung von Strzok. Dieser habe sich an einer "Hexenjagd" gegen ihn beteiligt. Er sieht in den Textnachrichten einen Beleg, dass die Ermittlungen in der Russland-Affäre politisch motiviert seien. In seiner Twitternachricht bekräftigte der Präsident, dass die Untersuchung gegen Clinton ein "totaler Schwindel" sei. Er forderte deshalb, dass die Untersuchung wegen der Nutzung privater Server neu aufgerollt werden müsse.

Vom FBI gab es zunächst keine Stellungnahme zur Entlassung von Strzok.

Strzok wurde vor kurzem zehn Stunden vom Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses befragt. Zu der Textnachricht sagte er, sie sei eine Reaktion auf beleidigende Äußerungen Trumps gegen die Familie eines gefallenen US-Soldaten gewesen.

Innerhalb eines Jahres ist Strzok damit der dritte FBI-Mitarbeiter, der im Zusammenhang mit der Russland-Affäre entlassen wurde: Im März 2018 wurde der frühere Vizedirektor Andrew McCabe von Justizminister Jeff Sessions gefeuert - unmittelbar vor seiner Pensionierung. Hintergrund waren die FBI-Ermittlungen über eine mögliche Zusammenarbeit des Trump-Wahlkampfteams mit Russland zur Beeinflussung der Wahl 2016. McCabe gehörte zu den ersten in den Reihen des FBI, die mögliche Verbindungen Trumps zu einer russischen Beeinflussung der Präsidentenwahl 2016 untersucht hatten.

McCabe diente unter dem früheren FBI-Chef James Comey, den Trump bereits vergangenen Mai hinausgeworfen hatte.

als/AP/Reuters/dpa

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