Aktion "BlackMatterUS" Russland soll US-Bürgerrechtler finanziert haben

Laut CNN und ABC haben sich russische Internet-Trolle als Unterstützer afroamerikanischer Bürgerrechtsbewegungen ausgegeben und sogar Demonstrationen initiiert - um die Rassenspannungen zu verstärken.

Proteste in New York (April 2017)
REUTERS

Proteste in New York (April 2017)


Die Serie von Berichten über mögliche russische Einflussversuche auf die US-Politik reißt nicht ab. Nach Informationen der US-Sender CNN und ABC gibt es Hinweise, dass Stellen in Russland Kontakte zu afroamerikanischen Aktivisten aufgenommen haben. Es sei auch Geld geflossen (zu den Berichten geht es hier und hier).

ABC beruft sich bei dem Bericht auf namentlich nicht genannte Mitarbeiter einer vom US-Kongress eingesetzten Untersuchungskommission. Demnach seien zwei Facebookgruppen während der Hochphase der Proteste gegen Polizeigewalt gegen afroamerikanische Bürger in den USA aus Russland heraus gegründet worden.

Beide tragen Namen, die offenbar an die international bekannte "Black Lives Matter"-Bewegung angelehnt sind. Sie heißen "Black Fist - Schwarze Faust" und "BlackMatterUS". Laut CNN und ABC beschränkten sich beide Gruppen nicht auf gelegentliche Einträge im Internet. Im Namen der Gruppen sollen auch gezielt US-Aktivisten kontaktiert worden sein.

320 Dollar pro Monat, online überwiesen

So soll ein Mann, der sich als "Taylor" von "Black Fist" vorstellte, im Januar 2017 den New Yorker Selbstverteidigungstrainer Omowale Adewale angesprochen haben. "Black Fist" versprach, kostenlose Selbstverteidigungskurse für Aktivisten zu finanzieren. Im Gegenzug sollte der Trainer Listen mit Namen und Anschrift der Teilnehmer schicken. Adewale fand das "komisch", nahm aber Geld für vier Kurse an. Andere Trainer im ganzen Land taten es ihm gleich. CNN spricht von "Dutzenden" Veranstaltungen. Ein zweiter Trainer aus Florida bestätigte die Aussagen von Adewale: Auch er sei von "Taylor" kontaktiert worden.

Pro Monat bekam Adewale 320 Dollar, überwiesen über die Onlinefinanzdienste Paypal und Google Wallet. Mit "Taylor" sprach er immer nur per Telefon. CNN kommt zu dem Schluss, die digitalen Spuren der Aktion legten nahe, dass sie Teil eines "russischen Propaganda-Arms waren, der versuchte, Rassenspannungen zu verstärken und den politischen Prozess in den Vereinigten Staaten zu stören". Laut ABC sollen auch zwei kleine Demonstrationen auf die Initiative der Gruppen zurückgehen.

Firma bestätigt russische IP-Adresse

Laut einem Statement des amerikanischen sozialen Netzwerks Meetup ließ sich ein dort angelegtes "Black Fist"-Konto tatsächlich zu einer russischen IP-Adresse zurückverfolgen.

Beide US-Sender vermuten die als "Trollfabrik" bekannt gewordene russische Firma "Internet Research Agency" in Sankt Petersburg hinter den Aktivitäten. In den vergangenen Jahren hatten Insider berichtet, die Firma beschäftige Dutzende Mitarbeiter, die gegen Bezahlung im Internet Kommentare und Einträge bei sozialen Medien schrieben.

Sitz der "Trollfabrik" in Sankt Petersburg
AP

Sitz der "Trollfabrik" in Sankt Petersburg

Ende der vergangenen Woche berichtete beim russischen Oppositionssender TV-Rain erstmals ein ehemaliger Mitarbeiters der "amerikanischen Abteilung" des Unternehmens von seiner Arbeit. Am Dienstag dann berichtete die russische Tageszeitung RBK zum ersten Mal über die Facebook-Gruppe "BlackMatterUS" und über den Umfang der Operation. Demnach soll die "Internet Research Agency" in der Spitze bis zu 900 Mitarbeiter beschäftigt haben.

Experten warnen seit Längerem davor, dass Russland versuchen könnte, bestehende soziale und politische Spannungen in westlichen Ländern gezielt zu verstärken und Unruhe zu säen. Moskau intensiviert etwa seit Längerem Kontakte zu Gruppierungen an den Rändern des politischen Spektrums, also beispielsweise sowohl Rechtspopulisten als auch weit links stehende Gruppierungen.

Unklar ist allerdings, wie groß der Einfluss der russischen Trolle tatsächlich ist. Facebook hatte im September gemeldet, russische Auftraggeber hätten vor der US-Wahl Anzeigen im Wertvon 100.000 Dollar geschaltet. Die russische Zeitung RBK bezifferte das Budget der Amerika-Spezialisten der "Internet Research Agency" in Sankt Petersburg auf etwa zwei Millionen Dollar.

Mehr zum Hintergrund

Interview mit einem ehemaligen russischen Troll (SPIEGEL ONLINE)

The Agency (Bericht der New York Times über die Trollfabrik)

Wie Russland Europas Rechte inspiriert (Bundeszentrale für politische Bildung)

beb

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