Ermittlungen zur Russland-Affäre US-Vizepräsident Pence heuert privaten Anwalt an

Trump hat schon einen, nun zieht Pence nach: Der US-Vizepräsident setzt bei den Ermittlungen zur Russland-Affäre auf juristischen Beistand. Der private Anwalt hat Erfahrung mit politischen Skandalen.

Vizepräsident Mike Pence
REUTERS

Vizepräsident Mike Pence


US-Vizepräsident Mike Pence hat einen privaten Anwalt beauftragt, ihn bei den Ermittlungen zur Russland-Affäre juristisch zu vertreten. Richard Cullen werde den Vizepräsidenten als externer Rechtsbeistand dabei unterstützen, Anfragen des unabhängigen Sonderermittlers zu beantworten, teilte ein Sprecher mit. Der Jurist werde nicht mit Geld aus der Staatskasse bezahlt.

Cullen ist in den USA kein Unbekannter. Der frühere US-Bundesanwalt ist erfahren im Umgang mit politischen Skandalen: Er war unter anderem bei der Aufklärung der Watergate-Affäre in den Siebzigerjahren und im Iran-Contra-Skandal in den Achtzigerjahren juristisch tätig. Derzeit vertritt er unter anderem Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter.

Die politische Arbeit des Vizepräsidenten solle durch die Ermittlungen nicht beeinträchtigt werden, sagte der Sprecher. "Der Vizepräsident konzentriert sich ganz auf seine Pflichten, treibt die Agenda des Präsidenten voran und freut sich auf einen raschen Abschluss dieser Angelegenheit." Pence habe seit längerem erwogen, einen Anwalt zu engagieren. Er habe sich für Cullen entschieden, nachdem er mehrere Kandidaten interviewt habe, teilte sein Büro mit.

Ein Sonderermittler untersucht derzeit, ob es vor der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 illegale Absprachen zwischen dem Team von US-Präsident Donald Trump und Offiziellen aus Russland gegeben hat. Im Fokus von Robert Mueller stehen nicht nur früher Top-Berater des damaligen Präsidentschaftskandidaten, sondern nach Informationen der "Washington Post" auch dessen Schwiegersohn Jared Kushner . Auch die Geschäftsbeziehungen von weiteren Vertrauten Trumps werden überprüft: unter anderem die von Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn, Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort und Ex-Berater Carter Page.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Mueller auch gegen Trump persönlich ermittelt. Grund ist der Vorwurf, dass der US-Präsident versucht haben soll, unzulässigen Einfluss auf die Justiz zu nehmen. Der US-Präsident lässt sich in der Sache ebenfalls von einem privaten Anwalt vertreten, im Mai engagierte er Marc Kasowitz. Hier lesen Sie hier mehr über Trumps Anwalt.

brk/AFP

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
laracrofti 16.06.2017
1. Auf der Höhe der Zeit,
das ist die Frage, ob der auserwählte Anwalt ist. 70er und 80er Jahre aktiv, das ist schon eine Weile her, und Verteidiger von Sepp Blatter zu sein diskreditiert ihn eher in meinen Augen.
kewlo 16.06.2017
2. Ich fange an, mich zu fragen...
...ob nicht Spiro Agnew und Richard Nixon wirklich so schlecht waren. Vergleichen mit den heutigen Vize- und Präsident waren die beiden wohl nur kleine Gauner.
RainerSchwarz-Ambold 16.06.2017
3. Ja Ja ...
nun steigt den Herren lansam das Wasser bis zum Halse. Es drängt sich einem der Glauben auf, das die gesamten Republikaner von dem Russlanddeal wussten und frei nach dem Prostituiertenglauben eines jeden Politikers, was mich reich macht kann nicht schaden, gehandelt und die Russen haben lustig manipulieren lassen. Nun wird man die Geister die man rief nicht mehr los und Deutschland sollte peinlichst darauf achten, das keine Partei auch nur in den Dunst einer solchen Machenschaft bei den nächsten Bundestagswahlen gerät.
rainer82 16.06.2017
4.
uns würde jeder Politiker, der Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungsverfahren ist, sein Amt ruhen lassen. Die US-Machthaber tun hingegen so, als ginge sie das alles nichts an. Natürlich sollen sie die Gelegenheit erhalten, sich zumindest juristisch rein zu waschen, aber bis das geschehen ist, sollten Sie sich vom politischen Tagesgeschäft fern halten. Schließlich geht es nicht nur um Ladendiebstahl!
Hermes75 16.06.2017
5.
Zitat von rainer82uns würde jeder Politiker, der Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungsverfahren ist, sein Amt ruhen lassen. Die US-Machthaber tun hingegen so, als ginge sie das alles nichts an. Natürlich sollen sie die Gelegenheit erhalten, sich zumindest juristisch rein zu waschen, aber bis das geschehen ist, sollten Sie sich vom politischen Tagesgeschäft fern halten. Schließlich geht es nicht nur um Ladendiebstahl!
Das Trumpeltier hat bislang jede Regel des politischen Anstands gebrochen, die er brechen konnte. Es dürfte klar sein, dass Trump ihrer Hoffnung nicht entsprechen wird. Der Vergleich zwischen den USA und Deutschland hinkt hier auch, da der US-Präsident direkt gewählt wird, der Bundeskanzler aber vom Parlament. Daraus ergibt sich die Möglichkeit den Kanzler jederzeit mit einer qualifizierten Mehrheit abzulösen. Beim US-Präsidenten geht das nicht so einfach - und es ist auch noch nie passiert. Nixon ist der Amtsenthebung durch Rücktritt zuvorgekommen. Allerdings denke ich, dass Trump auch in diesem Punkt Geschichte schreiben wird und der erste US-Präsident sein wird, der des Amtes enthoben wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Pence und Ryan (seine potenziellen Nachfolger) werden gut aufpassen müssen, dass sie der Strudel den er hinterlassen wird, nicht mit in die Tiefe reißt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.