Atomkraft Russische Aktivisten protestieren gegen Urantransporte aus Deutschland

600 Tonnen radioaktiver Produktionsabfälle aus einer deutschen Urananreicherungsanlage sind nach Russland geliefert worden. Dagegen demonstrierten Aktivisten in mehreren russischen Städten.

"Willkommen auf der Müllhalde" steht auf dem Banner, das Greenpeace-Aktivisten an einer Brücke angebracht haben
Dmitri Lovetsky/dpa

"Willkommen auf der Müllhalde" steht auf dem Banner, das Greenpeace-Aktivisten an einer Brücke angebracht haben


Umweltaktivisten haben in mehreren russischen Städten gegen den Transport von Produktionsabfällen aus der deutschen Urananreicherungsanlage Gronau nach Russland demonstriert. "Unter dem Deckmantel der "wertvollen Rohstoffe" importiert Russland in Wirklichkeit Abfälle der Urananreicherung", sagte Raschid Alimow von der Organisation Greenpeace in St. Petersburg.

Dort war russischen Medienberichten zufolge zuvor das Frachtschiff "Michail Dudin" mit rund 600 Tonnen Uranhexafluorid aus Gronau in Nordrhein-Westfalen angekommen, hatte zwei Tage vor St. Petersburg gelegen und war am Donnerstag entladen worden. Der giftige Stoff fällt bei der Anreicherung von Uran für Atomkraftwerke an. Von der Ostsee-Metropole aus soll die Lieferung laut Greenpeace nach Nowouralsk nahe der Stadt Jekaterinburg am Ural gebracht werden.

"Diese Substanz ist gefährlich", sagte der Greenpeace-Vertreter Alimow der Nachrichtenagentur AFP. Künftige Generationen würden für diesen Fehler bezahlen müssen. Auch in Moskau, Jekaterinburg, Kasan und vier weiteren Städten gingen Demonstranten gegen die Lieferung auf die Straße.

Zuvor auch Proteste in NRW

Der staatliche russische Atomenergiekonzern Rosatom bestätigte die Lieferung auf Anfrage der Deutschen Presseagentur zunächst nicht. Dem Radio-Sender "Echo Moskwy" zufolge betonte das Unternehmen jedoch, dass der Stoff zur Anreicherung genutzt werde. Die Lagerung im Frachtschiff sei für die Bewohner von St. Petersburg und die Umwelt ungefährlich gewesen. Zudem soll der Transport sowohl russischen als auch internationalen Anforderungen entsprechen.

Die Lieferung der Abfallstoffe war bereits zuvor bekannt gewesen. In NRW hatten Aktivisten gegen die Transporte demonstriert und diese zeitweise auch blockiert. Eine Endlagerung in Deutschland werde nicht umgangen, hieß es kürzlich vom NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (FDP). "Nach dem Atomgesetz handelt es sich bei dem gelieferten Material um einen sonstigen radioaktiven Stoff und nicht um einen Kernbrennstoff." Zwischen 1996 und 2009 seien trotz massiver Kritik 27.300 Tonnen Uran aus Gronau nach Russland gebracht worden, hatten die Grünen bemängelt. Nur ein kleiner Teil könne wieder angereichert werden.

Angereichertes Uran wird für die Stromerzeugung in Atomkraftwerken benötigt. Bis Oktober dieses Jahres wurden nach Angaben des NRW-Energieministeriums 576 Behälter mit insgesamt rund 4800 Tonnen Uranhexafluorid per Bahn, Schiff und Lastwagen von Gronau über Amsterdam nach Russland transportiert.

yer/dpa/AFP



insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
artep 28.11.2019
1. Recht haben sie
Die Umweltaktivisten in Russland haben recht. Jedes Land ist für den Atommüll, den es produziert hat, selbst verantwortlich. Es ist überhaupt nicht zu verstehen, warum die hochgelobten Atomkraftwerke in den 1960ger Jahren gebaut wurden, ohne einen Gedanken an die Endlagerung des radioaktiven Mülls zu verschwenden. Dieses Problem muss doch Physikern, Ingenieuren und Politikern von Anfang an klar gewesen sein. Ob atomaren Müll oder konventionellen Müll, jedes Land, das ihn erzeugt, ist für seine Beseitigung selbst verantwortlich. Sich per Devisen vor der Verantwortung freizukaufen, kann nicht akzeptiert werden. So verseucht man unbewohnte Gebiete in den Weiten Russlands oder eben die Vermüllung der Meere durch Müllexporte in die dritte Welt.
tempus fugit 28.11.2019
2. Es ist tatsächlich Abfall....
...und nachdem Abfall sehr rigoros beim Transport und bei der Entsorgung dokumentiert werden muss, ist das praktisch unmöglich. Trick? Man deklariert es als 'Wertstoffe' wie schon vor Jahren und schon ist die Sau durch's Dorf nach Sibirien unterwegs - warvor einigen Jahren das slebe Spiel... Dreckig, giftig, gefährlich. Und dort stehen dann die Container und siffen vor sich hin.....
artep 28.11.2019
3. Recht haben sie
Die Umweltaktivisten in Russland haben recht. Jedes Land ist für den Atommüll, den es produziert hat, selbst verantwortlich. Es ist überhaupt nicht zu verstehen, warum die hochgelobten Atomkraftwerke in den 1960ger Jahren gebaut wurden, ohne einen Gedanken an die Endlagerung des radioaktiven Mülls zu verschwenden. Dieses Problem muss doch Physikern, Ingenieuren und Politikern von Anfang an klar gewesen sein. Ob atomaren Müll oder konventionellen Müll, jedes Land, das ihn erzeugt, ist für seine Beseitigung selbst verantwortlich. Sich per Devisen vor der Verantwortung freizukaufen, kann nicht akzeptiert werden. So verseucht man unbewohnte Gebiete in den Weiten Russlands oder eben die Vermüllung der Meere durch Müllexporte in die dritte Welt.
nullstellenfunktion 28.11.2019
4. Die Grünen scheinen etwas vergessen zu haben...
Zwischen 1996 und 2009 wurden laut Artikel 27.300 Tonnen von dem Zeug nach Russland geliefert. Ich meine mich zu erinnern das zumindestens die Grünen von 1998 bis 2005 Teil der Regierung waren. Zumindestens in dieser Zeit hätten man ja auch solche Lieferungen unterbinden können. Aber es wurde ja in dieser Zeit weitaus weniger gegen Castor-Transporte demonstriert, obwohl diese weiterhin statt fannden. Davor und danach wurde dann wieder fleißiger dagegen demonstriert. Ein wenig bigott ist dann diese Kritik heute dann schon.
aurichter 28.11.2019
5. @ artep
Ist doch hier im eigenen Land das gleiche Trauerspiel. Da regen sich irgendwelche Atomfetischisten, auch sehr intensiv hier im Forum bei SoOn - über abgebrochene Rotorblätter von Windenergiemühlen auf, aber Schweinereien rund um diese besch*ssene Kernenergie werden wohlwissend beiseite gewischt. Wenn man sieht wie im Land von verstorbenen Landesfürsten und Leyenvorgänger der Bevölkerung Atommüll aufgedrückt wird, welche Kosten selbst die Transporte dem Steuerzahler aufgebürdet werden, der braucht sich über weitere schmutzige Geschäfte mit dem Atomabfall nicht wirklich wundern. Scheint für die Russen eine gute bis sehr gute Einnahmequelle zu sein und der deutsche Manager "kauft" sich damit ein reines Gewissen. Gang und Gäbe in Deutschland. Die Gewinne aus dem Drecksgeschäft machen es möglich, zumal man mit dubiosen Klagen der Energiewirtschaft den Steuerzahler zusätzlich noch schröpfen will, dabei haben diese Verantwortlichen absolut kein schlechtes Gewissen. Darin erkennt man wie verdorben und abscheulich da gewirtschaftet wird, Profit um jeden Preis. Wenn das nicht einen Hauch von Kriminellen Machenschaften hat, dann weiss ich auch nicht. Aber nun kommen mit Sicherheit wieder die Gegenargumente der Atomfetischisten, das altbekannte Spiel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.