Russland Oppositioneller Nawalny gibt sich als Präsidentschaftskandidat

Die Anhänger von Alexej Nawalny haben für eine Kandidatur des Kreml-Kritikers bei der Präsidentenwahl gestimmt - als Gegenkandidat von Staatschef Putin, ohne jede Erfolgsaussicht.

AP

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny hat sich von seinen Anhängern als Kandidat für die Präsidentenwahl aufstellen lassen - trotz mangelnder Erfolgsaussichten. Auch wenn die Behörden Nawalny wegen einer Vorstrafe voraussichtlich nicht als Bewerber registrieren werden, kamen in etwa 20 Städten von Wladiwostok bis Moskau sogenannte Initiativgruppen zusammen und stimmten für seine Kandidatur.

In Moskau etwa versammelten sich ungefähr 750 Menschen an einem Badestrand. Die Sicherheitskräfte ließen Nawalnys Anhänger dort nach Angaben des Bürgerrechtsportals OVD-Info weitgehend ungestört gewähren.

Im Zentrum von Moskau hingegen versuchten Polizisten eine Kundgebung des Oppositionellen Ilja Jaschin zu unterbinden. Jaschin hatte als Vorsitzender eines Stadtteilrats zu einem "Feiertag der freien Wahlen" aufgerufen. Die Staatsanwaltschaft warnte ihn, dass seine Veranstaltung nicht zugelassen sei.

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Wahlen in Russland: Nawalny versucht das Unmögliche

Für eine andere Kundgebung der Opposition hatten die Behörden den Sacharow-Prospekt, einen Versammlungsort in Moskau, zur Verfügung gestellt. Jaschin und andere Regimegegner hatten sich aber im Vorfeld nicht auf eine gemeinsame Veranstaltung einigen können.

Nawalny kündigte an, die Protokolle der Moskauer Versammlung noch am Sonntag bei der zentralen Wahlkommission einzureichen. Die Vorstrafe, die ihn an einer Kandidatur hindert, stammt aus einem umstrittenen Betrugsverfahren. Nawalny hat die Strafe bereits einmal erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angefochten. Das Gericht in der nordrussischen Stadt Kirow verhängte aber in einem Wiederholungsprozess das im Wortlaut gleiche Urteil noch einmal.

Die Präsidentenwahl in Russland findet am 18. März statt. Kreml-Chef Wladimir Putin tritt für eine vierte Amtszeit an. Der 41-Jährige Nawalny war Ende September festgenommen und verurteilt worden, weil er mit Versammlungsaufrufen gegen das Gesetz verstoßen haben soll. Er hatte zu Protestkundgebungen an Putins 65. Geburtstag am 7. Oktober aufgerufen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es in der Überschrift, Nawalny kandidiere für die russische Präsidentschaftswahl. Tatsächlich hat er sich nur von seinen Anhängern als Kandidat aufstellen lassen - aufgrund einer Vorstrafe ohne jede Erfolgsaussicht. Wir haben die Überschrift entsprechend korrigiert.

hej/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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hugahuga 24.12.2017
1.
Müssen wir jetzt wieder und wieder von diesem Kandidaten lesen? Wie er gegen Putin die Demokratie verteidigt etc? Vergesst es - der Mann ist ein Niemand und bleibt ein Niemand. Spart Euch irgendwelche Berichte über einen Niemand.
weltenglas 24.12.2017
2. Der Boxer
Nawalnys politisches Programm muss man nicht mögen. Lassen muss man ihm aber sein Durchhaltevermögen und seinen Mut. Keine Aussicht auf den nächsten Knastbesuch kann ihn schrecken. Muss man aus dem Holz sein, um russischer Präsident zu sein? Was würde aus Russland, sollte er es eines Tages schaffen?
vantast64 24.12.2017
3. Keine Chance, aber ein tapferer Mann, nicht so Putin,
der ihn verhaften lassen würde, hätte Navalny eine Chance. Diktatoren sind halt immer Feiglinge, dürfen nie schlafen, das hat Folgen, wie man bei Shakespeare lesen kann, besonders, wenn sie klein sind und mit viel Ehrgeiz.
omanolika 25.12.2017
4. Manchmal lieber ein Niemand
Zitat von hugahugaMüssen wir jetzt wieder und wieder von diesem Kandidaten lesen? Wie er gegen Putin die Demokratie verteidigt etc? Vergesst es - der Mann ist ein Niemand und bleibt ein Niemand. Spart Euch irgendwelche Berichte über einen Niemand.
Nawalny ist ein Niemand, mag schon sein, aber, dass er ja kandidiert ist schon allein, wirklich erwähnenswert, in so einem Land, in dem man jegliche Konkurrenz konsequent unterband... Hoffentlich bleibt er ein Niemand, denn wenn er Putin nicht passt, weil er kein Niemand mehr ist, muss er sicherlich in den Knast... Also ist es manchmal gut über einen Niemand zu schreiben, denn solange er ein solcher ist, wird er wohl frei bleiben...
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