Russland Ammoniak-Anschlag auf Oppositionspolitiker

Brutaler Kampf um das Amt des Bürgermeisters von Sotschi: In der russischen Schwarzmeer-Metropole, 2014 Austragungsort der Olympischen Winterspiele, wurde ein Kandidat der Opposition mit ätzendem Ammoniak übergossen. Das Opfer vermutet Kreml-treue Aktivisten hinter dem Anschlag.


Moskau - Angriff auf einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt der südrussischen Stadt Sotschi: Der Kreml-kritische Politiker Boris Nemzow, der für die Oppositionsbewegung "Solidarität" als Bürgermeister in der Olympiastadt kandidiert, wurde mit Ammoniak übergossen. Die Attacke fand vor dem Wahlkampfbüro des 49-Jährigen in der Stadt am Schwarzen Meer statt.

Oppositionsführer Nemzow: Attacke mit Ammoniak
REUTERS

Oppositionsführer Nemzow: Attacke mit Ammoniak

Eine Sprecherin sagte, eine Person mit einem Blumenstrauß sei zunächst an Nemzow herangetreten - eine weitere habe ihn dann mit Ammoniak übergossen. Eine geringe Menge der Flüssigkeit sei dabei auch in die Augen Nemzows gelangt, sagte Olga Schorina. Nemzow selbst teilte kurz nach dem Vorfall dem Radio Sender "Echo Moskau" mit, es gehe ihm gut, weil es ihm gelungen sei, "schnell die Augen zu waschen".

Zudem wisse er, wer ihn angegriffen habe: "Wir haben sie erkannt", sagte Nemzow in Bezug auf die Angreifer. Es habe sich um Aktivisten der Jugendorganisation "Naschi - Die Unsrigen " gehandelt. "Die Unsrigen" unterstützen den politischen Kurs der russischen Führung und hatten in der Vergangenheit immer wieder mit ruppigen Attacken für Aufsehen gesorgt, etwa gegen die estnische Botschafterin Marina Kaljurand, die sie aus dem Land gemobbt hatten.

Nemzow ist einer der bekanntesten Oppositionspolitiker in Russland. Anfang der neunziger Jahre war er Gouverneur der Stadt Nischni Nowgorod, später beförderte ihn Präsident Boris Jelzin zum Vizepremier.

Der Vorfall macht deutlich, dass der Kampf um das Oberbürgermeisteramt der Stadt Sotschi, 2014 Austragungsort der Olympischen Winterspiele, mit harten Bandagen geführt wird. Insgesamt bewerben sich mehr als ein Dutzend Kandidaten für das prestigeträchtige Amt, darunter auch der Unternehmer und ehemalige KGB-Mann Andrej Lugowoi sowie der Oligarch Alexander Lebedew. Lugowoi wird von Scotland Yard wegen Mordverdachts gesucht.

Ammoniak ist ein giftiges Reizgas mit einer hohen Wasserlöslichkeit, das insbesondere auf Schleimhäute, Augen und Atemwege schädigend wirkt. Bei hoher Konzentration kann Ammoniak sogar lebensgefährlich sein.

Nemzow hatte am Montag einen Appell an den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew veröffentlicht, in dem er Pläne für die Olympischen Winterspiele in Sotschi kritisierte. Er schlug vor, dass viele der Wettkämpfe stattdessen andernorts in Russland abgehalten werden könnten. Die Bürgermeisterwahl findet im April statt.

beb/dpa/AP



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