Verdacht auf Spionage Familie des von Russland inhaftierten US-Bürgers besorgt

Der vom russischen Geheimdienst festgenommene Amerikaner ist nach Angaben seines Bruders ein Ex-Soldat, der wegen einer Hochzeit in Moskau war. Doch dort tauchte er nie auf.

Feuerwerk explodiert über dem Kreml (Symbolbild)
DPA

Feuerwerk explodiert über dem Kreml (Symbolbild)


Bei dem US-Amerikaner, der vom russischen Geheimdienst FSB festgenommen worden ist, handelt es sich offenbar um einen Ex-Marine, der wegen einer Hochzeit in Moskau war. Das berichtete der Sender CNN, der aus einer Stellungnahme des Bruders zitierte.

Demnach heißt der Festgenommene Paul Whelan und kommt aus dem US-Bundesstaat Michigan. Whelan habe sich als Soldat an vielen Einsätzen im Irak beteiligt. Er sei in Kanada geboren worden, habe britische Eltern, aber sei US-Staatsbürger.

Die Familie des Festgenommenen zeigte sich zutiefst beunruhigt: "Wir machen uns große Sorgen um seine Sicherheit und sein Wohlergehen. Er ist zweifellos unschuldig und wir vertrauen darauf, dass seine Rechte respektiert werden", heißt es in der Stellungnahme des Bruders.

Der Amerikaner war bereits am 28. Dezember wegen des Verdachts auf Spionage festgenommen worden. Details zu dem mutmaßlichen Spionagefall in der russischen Hauptstadt Moskau wurden nicht genannt. Bei einer Verurteilung drohen Whelan 10 bis 20 Jahre Haft, hieß es in einer Mitteilung des FSB.

Das Verhältnis zwischen Russland und den USA sowie einigen Ländern Europas gilt als so angespannt wie seit den Zeiten des Kalten Krieges nicht mehr. Seit der Annexion der Halbinsel Krim 2014 hatten sich die Beziehungen beider Länder verschlechtert.

Zuletzt hatten mehrere Spionageskandale für zusätzliche Aufregung gesorgt, darunter der Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia in Großbritannien sowie Vorwürfe wegen einer Agententätigkeit gegen die russische Studentin Maria Butina.

Fall Maria Butina

Butina steht in Washington vor einem Bundesgericht, weil sie im Auftrag russischer Stellen versucht haben soll, Einfluss auf politische Organisationen in den USA zu nehmen. Im Dezember hatte sie zugegeben, als "Agentin" ihres Heimatlandes konservative Zirkel der Vereinigten Staaten unterwandert zu haben.

Butina hatte enge Kontakte zur Waffenlobby NRA geknüpft und war auch in ranghohen Kreisen der Republikaner von Präsident Donald Trump verkehrt. Aus einem von ihren Anwälten beim Gericht eingereichten Dokument geht hervor, dass die 30-Jährige mit der US-Staatsanwaltschaft kooperiert. Das Urteil wurde noch nicht verkündet. Butina befindet sich seit Juli im Gefängnis.

Der Fall Butina reiht sich ein in weitverzweigte Nachforschungen der US-Justiz zu möglichen Versuchen Moskaus, Einfluss auf die US-Politik und den Präsidentschaftswahlkampf 2016 zu nehmen. Dabei geht es unter anderem um den Verdacht, es könne illegale Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und Moskau gegeben haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte dem Westen wiederum kürzlich vorgeworfen, den Aufstieg seines Landes auf internationaler Bühne durch Spionagevorwürfe untergraben zu wollen. Putin wertete es als "Zeichen für die Macht Russlands", dass der Westen immer wieder derartige Vorwürfe erhebe.

fok/AFP/dpa/Reuters

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