Russland Beistand für Vergeltungsschlag

Auch Russland unterstützt einen US-Vergeltungsschlag: Der russische Außenminister Igor Iwanow sicherte George W. Bush am Mittwochabend in Washington den moralischen Beistand des Kreml zu.

Von Gisbert Mrozek


Moskau - Über praktischen Beistand wird auch bei russisch-amerikanischen Verhandlungen hinter streng verschlossenen Türen in Moskau gesprochen. In Moskau trafen sich der Ex-Spionagechef und jetzige Vizeaußenminister Wjatscheslaw Trubnikow und sein amerikanischer Amtskollege Richard Armitage.

Die beiden Delegationen zogen sich in die idyllische Villa des Außenministeriums in der Spiridonow-Strasse zurück, um in Ruhe über "Fragen des Kampfes gegen den Terrorismus und der Neutralisierung der Bedrohungen, die von Afghanistan ausgehen" zu beraten, wie es in einer mageren Mitteilung heißt.

Zur US-Delegation gehörte, wie die amerikanische Botschaft mitteilte, auch die Eurasien-Spezialistin des State Department, Elizabeth Johns, die Ostasien-Spezialistin Christina Rocca und der Anti-Terrorspezialist des US-Aussenministeriums, Francis Tailor. "Unsere Länder finden viele Felder der Zusammenarbeit", sagte US-Botschafter Alexander Wershbow.

Russland will das Tschetschenien-Problem lösen

Bei seiner US-Visite formulierte Iwanow die Generallinie der russischen Regierung für die Zukunft: Der Kampf gegen den Terrorismus müsse global, konsequent und kollektiv sein. Präsident Wladimir Putin wird Anfang der nächsten Woche in Berlin und Anfang Oktober im Nato-Hauptquartier erwartet. Wie Nato-Generalsekretär George Robertson in einem russischen TV-Interview mitteilte, soll es dort vor allem um den Kampf gegen den Terrorismus gehen. Russland geht es dabei um zwei Dinge. Vor allem will der Kreml erreichen, dass außer Bin Laden auch dessen Emissäre in Tschetschenien mit auf die Schwarze Liste gesetzt werden.

Das zweite strategische Ziel des Kremls ist, den Konflikt nicht zum Religionskonflikt zu machen oder gar zu einem "Kreuzzug des zivilisierten, christlichen Nordens" gegen den "mittelalterlich-islamistischen, armen Süden" zu erklären. In Russland leben etwa 30 Millionen Moslems. Ein blinder Militärschlag in Afghanistan, so die Einschätzung, könnte nicht nur den eurasischen Kontingent destabilisieren.

Gisbert Mrozek ist Chef-Korrespondent der Internetseite www.moskau.ru



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