Verweigerte Überflugerlaubnis Russland blockierte Bundeswehr-Flüge nach Afghanistan

Moskau setzt im Streit mit dem Westen auf Sticheleien: Gleich zweimal untersagte Moskau Flugzeugen der Bundeswehr den Überflug. Die Soldaten mussten stattdessen in dänischen Jets nach Afghanistan reisen.

Bundeswehr-Airbus (Archivbild): Keine Fluggenehmigung über Russland
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Bundeswehr-Airbus (Archivbild): Keine Fluggenehmigung über Russland

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Berlin - Die politische Krise zwischen den Nato-Staaten und Russland hat offenbar auch Folgen für die Bundeswehr. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE blockierte Russland bereits zweimal in diesem Jahr militärische Flüge der Bundeswehr nach Afghanistan, da die Flugroute für die Soldaten über Russland führt.

Entgegen der eingespielten Routine bei Militärtransporten erteilte Russland für das Jahr 2015 keine generelle Überfluggenehmigung für die Bundeswehrflüge. Als Folge konnte der Truppenflieger vom Typ A310 am 15. und 26. Januar nicht wie geplant in Köln zum Flug für den Wechsel des Kontingents ins deutsche Lager in Masar-e-Scharif in Nordafghanistan starten.

Offiziell wird die Verweigerung als technisches Versehen und Schlamperei auf niedriger Beamtenebene in Moskau bezeichnet. In der Bundeswehrführung war trotzdem auch von einer bewussten Provokation Moskaus wegen der schwelenden Ukraine-Krise und den russlandkritischen Äußerungen durch die Nato die Rede. Schließlich seien die Übermittlung der Unterlagen und die Erteilung der Papiere jahrelang eingeübte Routine.

"Die Russen wollen in der aufgeheizten Lage zeigen, dass sie auch Druckmittel haben", hieß es nach den blockierten Flügen in der Truppe.

Lage hat sich normalisiert

Nach einigem Hin und Her hat sich die Situation nun vorerst wieder beruhigt. Am 3. Februar erteilte Russland die von Deutschland bereits Ende vergangenen Jahres beantragte Generalgenehmigung für deutsche Luftwaffenflieger über Russland. Am Donnerstagmorgen konnte dann auch wieder in Richtung Afghanistan geflogen werden.

Die Vergabe der Erlaubnis für Bundeswehr-Flüge oder auch Jets mit deutschen Ministern ist Routine - in friedlichen Zeiten. Nach einem Antrag der Flugbereitschaft für die "diplomatic clearance", so nennt man die Überfluggenehmigung offiziell, wird diese meist zügig erteilt.

Im Fall der Bundeswehr-Maschinen aber lief es anders: Betroffen waren pro Flug rund 250 Soldaten für den Trainingseinsatz von Afghanistan, darunter rund die Hälfte von der Bundeswehr.

Überfluggenehmigungen als politisches Druckmittel

Trotz der möglichen Provokation durch die Russen brachte die Bundeswehr ihre Soldaten im Januar doch noch nach Afghanistan. Als "kurzfristige Alternativlösung", so ein internes Truppen-Papier, wurde zweimal ein dänischer Charterjet angemietet. Dieser flog die Soldaten mit leichter Verspätung zivil an den Hindukusch.

Die Überfluggenehmigungen gelten aus der Sicht Moskaus als politisches Druckmittel. Vor Monaten hatte die Regierung gedroht, man wolle den Transit von westlichen Verkehrsmaschinen über Russland einschränken oder ganz verbieten. Eine solche Maßnahme hätte fast alle Asien-Flüge aus Europa betroffen.

In diplomatischen Krisen werden die Genehmigungen gern für Sticheleien genutzt. So verweigerte Iran 2011 dem Jet der Kanzlerin den Überflug, Angela Merkel und ihre Delegation mussten stundenlang in die Warteschleife. Im vergangenen Jahr verbot Polen dem russischen Verteidigungsminister den Überflug wegen des Konflikts in der Ostukraine.

Die Verweigerungshaltung der Russen könnte also durchaus mit dem immer schärferen Ton Berlins gen Moskau zusammenhängen. War die Bundesregierung zu Beginn der Ukraine-Krise stets moderat und gesprächsbereit geblieben, beschuldigt sie nun immer offener Präsident Wladimir Putin als Aggressor in der Ostukraine.

insgesamt 80 Beiträge
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Partieller Augentinnitus 06.02.2015
1. Das sind keine Sticheleien
Putin unterstützt jede Art von Terrorismus. Die armen Taliban brauchen genau so Waffen, wie der IS. Und wenn man guten Kunden helfen kann, dann macht man das halt. Auf der anderen Seite hat er in ganz Europa die EDV von Firmen und Medien in der Administration unterwandert. Oder weshalb sitzen da fähige russischstämmige Leute, die angeblich in Russland keine Arbeit gefunden haben? Das ist auch teil seiner Taktik der Nadelstiche - eine Strategie hat Putin aber auch weiterhin nicht. Wer sein ganzes Berufsleben vorher damit verbrachte, anderer Leute Strategien umzusetzen, tut sich schwer selbständig zu denken. Und das sind auch in der Privatwirtschaft die gefährlichsten, existenzgefährdenden Manager Das führt dann zu solchen Aussetzern, für die dann z.B in der Ukraine massenhaft normale Menschen sterben dürfen. Man könnte ja im Gegenzug den Russen alle europäischen, afrikanischen und amerikanischen Überflugrechte streichen. Dann kann Putin zwischen Kuba und China pendeln.
biesi61 06.02.2015
2. Wer provoziert,
erntet auch Reaktionen. Das sollte auch Frau Merkel wissen.
ernestiner 06.02.2015
3.
Naja lieber Autor, aber die Nato provoziert nicht, oder was?
berlin1136 06.02.2015
4. Tja....
Was erwartet D? Blumensträuße für Sanktionen?
stonecold 06.02.2015
5.
Dem Iwan kann man einfach nicht trauen. Einfach so den Überflug von deutschen Militärmaschinen zu verzögern, absolut aggressives Verhalten.... Mal im Ernst- natürlich sind das Sticheleien, aber von "Provokation" zu sprechen, ist doch sehr weit hergeholt.
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