Streit über Akkreditierung Deutsche Welle darf weiter aus Russland berichten

Wegen eines Tweets über regierungskritische Proteste forderten russische Politiker, der Deutschen Welle die Akkreditierung zu entziehen. Außenminister Lawrow gibt sich nun versöhnlich - doch ganz ausgestanden ist der Streit nicht.

Sergej Lawrow: Keine Absicht, Medien die Akkreditierung zu entziehen
DPA/Alexander Zemlianichenko/AP

Sergej Lawrow: Keine Absicht, Medien die Akkreditierung zu entziehen


Erleichterung bei der Deutschen Welle (DW) - doch ein Nachgeschmack bleibt: Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat verkündet, dass dem deutschen Auslandssender nicht die Akkreditierung für das Land entzogen wird. Damit beendete Lawrow einen monatelangen Streit über die Arbeitserlaubnis für die DW-Journalisten in Russland.

Das Ministerium unterstütze keine Ideen, irgendeinem Medium, ebenso wenig der DW, die Akkreditierung zu entziehen, sagte Lawrow in Moskau bei einer Medienkonferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Der Streit hatte im Sommer begonnen. Damals gab es in Moskau Massenproteste für freie und faire Wahlen, bei denen Hunderte friedliche Demonstranten und mehrere Journalisten westlicher Medien festgenommen wurden. Darunter war auch ein Mitarbeiter der Deutschen Welle.

Das russische Außenministerium warf dem Sender daraufhin wegen eines Tweets vor, zur Teilnahme an den Protesten aufgerufen und sich so in die russische Innenpolitik eingemischt zu haben. Die DW bestritt dies jedoch vehement und wies darauf hin, dass es sich bei den auf Russisch veröffentlichten Worten "Moskau, geht auf die Straße!" um ein Zitat handelte. Dennoch forderten zahlreiche russische Politiker, den DW-Journalisten die Akkreditierung zu entziehen oder nicht zu verlängern.

Auch Außenminister Maas schaltete sich ein

Der Konflikt zog sich wochenlang hin, auch der deutsche Außenminister Heiko Maas schaltete sich ein und wies die Vorwürfe mit Nachdruck zurück. Schließlich wurden Vertreter der DW sogar zu einer Untersuchung in das russische Parlament vorgeladen, was der Sender jedoch verweigerte.

Die DW begrüßt, dass es nun keine Sanktionen geben werde. Dies wäre "in keiner Weise gerechtfertigt" gewesen, sagte DW-Sprecher Christoph Jumpelt dem SPIEGEL. Ein Streitpunkt bleibt jedoch: Lawrow behauptete am Mittwoch, der Sender habe bei einem Treffen im Außenministerium Fehler eingeräumt. "Sie gaben zu, dass das nicht ganz korrekt war", sagte Lawrow. DW-Sprecher Jumpelt dementierte: Bei dieser Aussage müsse es sich "um ein Missverständnis handeln".

mes/heb/dpa

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