Diplomatischer Eklat Russland droht Dänemark mit Atomraketen

Der russische Botschafter in Dänemark hat mit harten Konsequenzen gedroht, sollte das Land dem geplanten Nato-Raketenschild beitreten. Dänische Kriegsschiffe könnten in diesem Fall zum Ziel russischer Atomwaffen werden.
Dänische Fregatte (Archiv): Drohung mit Atomwaffen

Dänische Fregatte (Archiv): Drohung mit Atomwaffen

Foto: ? Andreas Manolis / Reuters/ Reuters

Kopenhagen - Russland will die Nato-Pläne für einen Raketenschild in Europa unbedingt verhindern und droht mit Konsequenzen für die beteiligten Länder. Der russische Botschafter in Dänemark, Mikhail Vanin, hat das skandinavische Land jetzt vor drastischen Folgen gewarnt.

"Ich glaube, die Dänen sind sich der Konsequenzen so einer Entscheidung nicht bewusst", wird Vanin in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" zitiert. "Wenn das passiert, werden dänische Kriegsschiffe zu Zielen russischer Atomraketen." Werde Dänemark dem geplanten Raketenschild beitreten, werde es für Russland zur Bedrohung und "riskiere, als Feind betrachtet zu werden", so Vanin.

Der dänische Außenminister Martin Lidegaard reagierte umgehend und sehr verärgert. Die Äußerungen seien "inakzeptabel", Vanin habe mit der Äußerung, dass jeder, der dem Schild beitrete, in der Zukunft Ziel russischer Raketen sei, eine "rote Linie überschritten". Russland wisse sehr genau, dass das Raketenabwehrsystem der Nato zur Verteidigung gedacht sei.

Lidegaard betonte, dass Dänemark in vielen wichtigen Dingen mit Russland nicht einer Meinung sei, es sei aber "wichtig, dass der Ton zwischen uns nicht eskaliert". Ein Treffen zwischen Lidegaard und Vanin war zunächst nicht geplant, auch kommentierte die russische Botschaft die Äußerungen nicht. Im Zuge des Ukraine-Konflikts haben sich die Ost-West-Beziehungen im vergangenen Jahr dramatisch verschlechtert.

Dänemark hatte sich im vergangenen Sommer dazu bereit erklärt, den Nato-Raketenschild mit mindestens einer Fregatte zu unterstützen. Russland betrachtet ein mögliches Abwehrsystem als Gefahr für seine Sicherheit.

Auch der US-Botschafter in Dänemark, Rufus Gifford, kommentierte Vanins Äußerung: Die Aussagen seien nicht dazu geeignet, Vertrauen zu schaffen oder zu Frieden und Stabilität in der Region beizutragen, schrieb Gifford auf Twitter.

nck/AP