Grenze zu Syrien Russland warnt vor "Patriot"-Raketen in Türkei

Die Nato bereitet sich auf die Stationierung von "Patriot"-Luftabwehrraketen an der türkisch-syrischen Grenze vor. Russland äußert sich besorgt über die Pläne: Der Einsatz könnte eine weitere Eskalation des Konflikts bedeuten.
US-Soldaten mit "Patriot"-Abwehrsystem: Moskau ist gegen eine Stationierung in der Türkei

US-Soldaten mit "Patriot"-Abwehrsystem: Moskau ist gegen eine Stationierung in der Türkei

Foto: dapd

Moskau/Ankara/Islamabad - Die russische Regierung ist gegen die von der Türkei geplante Stationierung von Nato-Raketenabwehrbatterien des Typs "Patriot" an der Grenze zu Syrien. Die Entsendung der "Patriot"-Luftabwehr könne eine weitere Eskalation des Konflikts in der Region zur Folge haben, warnte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow der Agentur Interfax zufolge am Donnerstag in Moskau.

"Das dortige Grenzgebiet wird immer unruhiger", sagte Rjabkow. Statt um eine militärische Initiative sollte sich die internationale Gemeinschaft lieber um eine politische Lösung bemühen. Der Sprecher des russischen Außenministeriums, Alexander Lukaschewitsch, ergänzte später, die Türkei solle ihren Einfluss auf die syrische Opposition nutzen, "um schnellstmöglich den Beginn eines innersyrischen Dialogs zu erreichen".

Engster Verbündete Syriens

Russland ist einer der engsten Verbündeten Syriens und einer der Hauptwaffenlieferanten des Landes. Im Uno-Sicherheitsrat hat die Vetomacht mehrfach Resolutionen verhindert, die das Vorgehen der Führung unter Staatschef Baschar al-Assad verurteilt hätten.

Die Türkei hatte am Mittwoch bei der Nato offiziell die Stationierung von "Patriot"-Raketen an der Grenze zu Syrien beantragt. Die Regierung in Ankara reagiert damit auf den syrischen Granatenbeschuss von türkischen Grenzorten in den vergangenen Monaten. In der Nato verfügen nur Deutschland, die USA und die Niederlande über "Patriot"-Raketen des modernsten Typs PAC-3. Die Bundesregierung hat bereits ihre Bereitschaft zur Unterstützung der Türkei signalisiert. Der Bundestag soll im Dezember darüber entscheiden.

Erdogan rechtfertigt Pläne

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rechtfertigte die Pläne und trat Befürchtungen einer Verwicklung von Nato-Luftabwehrtruppen in den syrischen Bürgerkrieg entgegen. Die erbetene Stationierung im Grenzgebiet diene nur der Verteidigung der Türkei, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Erdogan am Donnerstag. Schon in ihrer Anfrage an die Nato hatte die Türkei erklärt, der Einsatz der "Patriots" sei "rein defensiv", solle zur Deeskalation der Lage in dem Krisengebiet beitragen und diene nicht zur Schaffung einer Flugverbotszone über syrischem Gebiet. Für Deutschland waren dies die wichtigsten Voraussetzung für eine Beteiligung an der Mission.

Nach den Worten Erdogans will die Türkei selbst die genauen Stationierungsorte der Raketenabwehrbatterien bestimmen. Die "Patriots" würden dort aufgestellt, wo es die türkische Armee für richtig halte, sagte der Premierminister während eines Besuchs in Pakistan. Nach einem Pressebericht sollen die Abwehrsysteme in der südostanatolischen Grenzprovinz Sanliurfa aufgebaut werden.

Die Grenzprovinz Sanliurfa umfasst einen etwa 170 Kilometer langen Streifen der insgesamt rund 900 Kilometer langen Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Die Grenzstädte Akcakale, wo im Oktober fünf türkische Zivilisten bei einem Artilleriebeschuss aus Syrien getötet worden waren, und Ceylanpinar, wo vergangene Woche mehrere Menschen bei einem Luftangriff syrischer Kampfjets in unmittelbarer Grenznähe verletzt wurden, gehören ebenfalls zur Provinz Sanliurfa.

phw/AFP/Reuters/dpa
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