Russland Hunderte gedenken Politkowskaja-Mord

Menschen legen Blumen nieder, die Polizei steht Spalier. In Russland gedenken zahlreiche Menschen der ermordeten regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja, die vor einem Jahr vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen wurde.


Moskau - Auf einem Platz nahe dem Moskauer Kreml organisierten Menschenrechtsaktivisten und Journalisten eine Fotoausstellung mit Bildern aus Tschetschenien. Unter starkem Aufgebot der Sicherheitspolizei Omon forderten sie eine objektive Aufklärung des Politkowskaja-Mordes, der weltweit Bestürzung ausgelöst hatte.

Gedenkfeier: Eine junge Russin legt vor einem Porträt Politkowskajas Blumen nieder
DPA

Gedenkfeier: Eine junge Russin legt vor einem Porträt Politkowskajas Blumen nieder

"Ich denke, das ist die beste Art und Weise, sich an sie zu erinnern, indem wir uns an ihre Arbeit erinnern und zeigen, dass diese nicht gestorben ist", sagte Tatjana Lokschina von der Menschenrechtsgruppe Demos. Politkowskajas Familie sowie Kollegen der Zeitung "Nowaja Gaseta" besuchten derweil das Grab der kritischen Journalistin vor den Toren der Hauptstadt.

Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 vor ihrer Wohnung in Moskau von Unbekannten erschossen worden. Die 48-Jährige hatte wiederholt über Menschenrechtsverstöße in Tschetschenien sowie Korruption in russischen Behörden berichtet. Sie hatte zwei Kinder. Nach russischen Polizeiangaben war ihr Mörder ein Auftragskiller, doch die Ermittlungen scheinen auf der Stelle zu treten.

Journalisten wollen neue Enthüllungen veröffentlichen

Nach der Bekanntgabe mehrerer Festnahmen im August, die auch einen früheren russischen Geheimdienstmitarbeiter sowie einen tschetschenischen Politiker betrafen, sollen nach Medienberichten zahlreiche Verdächtige wieder auf freien Fuß gesetzt worden sein. Die Opposition hat immer wieder angedeutet, die russischen Behörden unter Präsident Wladimir Putin könnten in den Mord an der unbequemen Kritikerin verwickelt sein.

Politkowskajas Kollegen von der Zeitung "Nowaja Gaseta" werfen der Justiz vor, die Ermittlungen in dem Mordfall zu behindern. Die Journalisten haben angekündigt, an diesem Montag die Ergebnisse ihrer eigenen Nachforschungen über die Identität der Täter zu veröffentlichen.

Im Vorfeld der Gedenkveranstaltungen waren am Samstag in der nördlichen Stadt Nischni Nowgorod fünf ausländische Menschrechtsaktivisten aus Deutschland, Großbritannien und Spanien vorübergehend festgenommen worden. Die von ihnen geplante Konferenz musste abgesagt werden, da die Behörden die Konten der Nichtregierungsorganisation auf Eis gelegt hatten, die das Treffen vorbereitet hatte. Die EU-Bürger wurden wegen eines Vergehens gegen die Meldevorschriften verwarnt und nach mehreren Stunden wieder freigelassen.

ssu/dpa/AFP



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