Geheimdienstinformant Russland lehnt Snowdens Auslieferung ab

Moskau lässt Washington auflaufen: Die russische Regierung sieht keine Gründe für die Verhaftung von Edward Snowden. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter kann unbehelligt nach Lateinamerika weiterfliegen.

Moskauer Flughafen Scheremetjewo: Snowden muss im Transitbereich bleiben
AFP

Moskauer Flughafen Scheremetjewo: Snowden muss im Transitbereich bleiben


Moskau/Hamburg - Russland will den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden nicht an der Weiterreise hindern. Eine Auslieferung des Whistleblowers an die Vereinigten Staaten lehnt Moskau ab.

"Die Amerikaner können nichts fordern. Wir können ihn übergeben - oder wir können ihn nicht übergeben", sagte der Menschenrechtsbeauftragte der russischen Regierung, Wladimir Lukin, der Agentur Interfax am Montag.

Ein Beamter der Sicherheitsbehörden in Moskau sagte der Nachrichtenagentur Ria Novosti: "Snowden hat auf dem russischen Territorium nichts verbrochen, bei den russischen Rechtsschutzorganen ist noch immer kein Haftbefehl gegen ihn eingegangen, daher gibt es auch keinen Grund für eine Festnahme."

Der 30-jährige Snowden, den die USA wegen Geheimnisverrats fassen wollen, hält sich derzeit im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Am Sonntag war er von Hongkong in die russische Hauptstadt geflogen. Zuvor soll die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone Snowden zur Abreise aufgefordert haben.

Interpol fahndet nicht nach Snowden

Derzeit wartet er offenbar auf den Weiterflug nach Kuba. Er hat einen Asylantrag in Ecuador gestellt. Dieser werde derzeit geprüft, teilte die Regierung des südamerikanischen Landes mit. Der Aeroflot-Flug von Moskau mit der Nummer SU150 soll um 12.05 Uhr (MESZ) starten und 0.45 Uhr (MESZ) in Havanna landen.

Zuvor hatten Moskauer Medien berichtet, dass Russland Snowden nicht festnehmen könne, weil er bei Interpol nicht zur Fahndung ausgeschrieben sei. Den Flughafen darf er den Berichten zufolge nicht verlassen, weil er kein russisches Visum hat.

Das Weiße Haus hatte Moskau zuvor aufgefordert, den Geheimdienstinformanten auszuliefern. "Wir erwarten von der russischen Regierung alle Möglichkeiten zu prüfen, um Snowden an die USA zu überstellen", sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, in Washington. Dort müsse sich der ehemalige Geheimdienstler der Justiz stellen. Eine Verweigerungshaltung Moskaus könne die Beziehungen zwischen beiden Ländern belasten.

syd/dpa

insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
berns 24.06.2013
1. Irgendwie
Zitat von sysopAFPMoskau lässt Washington auflaufen: Die russische Regierung sieht keine Gründe für die Verhaftung von Edward Snowden. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter kann unbehelligt nach Lateinamerika weiterfliegen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-lehnt-auslieferung-von-edward-snowden-in-die-usa-a-907490.html
ist mir das Verhalten Russlands sympathisch. Ganz im Gegenteil zu den USA, die mir immer mehr unmenschlich vorkommen.
orthos 24.06.2013
2. Die Russen
Als Wächter der Freiheit und Menschenrechte. Eine erfreuliche Entwicklung, zugleich jedoch auch ein Armutszeugnis für "den Westen". Wir sollten und vielleicht besser vom "Westen" ein Stück weit entfernen,
blaudistel 24.06.2013
3. Hat jemand etwas anderes erwartet?
Mit welcher Begründung will man ihn übrigens - sollte Interpol aktiv werden - suchen lassen? Geheimnisverrat? Er hat verraten das praktisch die ganze Welt in den Fängen der Überwachungsspinnen aus Washington und London gefangen ist? Deren Politiker sollten von Interpol gesucht und verhaftet werden. Dann wird ein Schuh draus!
Postscriptum_B 24.06.2013
4. optional
Die USA müssen erst ihre Probleme mit den Menschenrechen lösen und dann sowas fordern.
Der_Junge_Fritz 24.06.2013
5. Haftbefehle
Die Russen habens nicht kapiert, dass die USA keine Haftbefehle zur Verschleppung von Personen benötigen?!
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