"Jachont"-Raketen in Syrien Russland liefert moderne Anti-Schiff-Raketen an Assad

Russland hat Syriens Marine offenbar besser ausgerüstet als bislang bekannt. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen hat Moskau Anti-Schiff-Lenkwaffen vom Typ "Jachont" an Assad geliefert, die über hochmoderne Radarsysteme verfügen. Der Export könnte eine Seeblockade deutlich erschweren.
Russische "Jachont"-Rakete: 72 Batterien hat Moskau geliefert

Russische "Jachont"-Rakete: 72 Batterien hat Moskau geliefert

Foto: AP/ Janes Defense Weekly

Washington/Hamburg - Russland beliefert Syrien offenbar mit moderneren Waffen als bislang bekannt. In den vergangenen Monaten habe das Assad-Regime hoch entwickelte Anti-Schiff-Lenkwaffen vom Typ "Jachont" aus Moskau erhalten. Dies berichtet die "New York Times" unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Beamte.

Der Kreml liefert seit Jahren "Jachont"-Raketen nach Syrien. Die in jüngerer Zeit exportierten Modelle sollen jedoch über hochmoderne Radarsysteme verfügen, die ihre Effektivität deutlich steigern. Damit verfüge die syrische Marine nun über eine Waffe, die jeden Versuch eine Seeblockade oder Flugverbotszone zu errichten, zunichtemachen könnte, so US-Experten.

"Sie versetzt das Regime in die Lage, ausländische Kräfte abzuschrecken, die die Opposition über das Meer beliefern wollen", sagte Nick Brown, Chefredakteur der Militärzeitschrift "Jane's International Defense Review", der "New York Times". "Sie ist ein echter Schiff-Killer." Der ehemalige US-Geheimdienstbeamte Jeffrey White wertet die Waffenlieferung als weiteren Beweis für Russlands Bindung an das Assad-Regime.

Israel wollte die "Jachont"-Lieferungen verhindern

Moskau und Damaskus hatten die "Jachont"-Lieferung nach Angaben der "Jane's International Defense Review" bereits 2007 vereinbart. 2011 kamen die ersten von insgesamt 72 Raketen in Syrien an. Jede "Jachont"-Batterie besteht aus Raketen, drei Raketenwerfern und einem Kommandofahrzeug. Die Geschosse sind knapp neun Meter lang und haben eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Sie steuern ihr Ziel in 10 bis 15 Metern Höhe an. Jede Rakete hat einen eigenen Radar, mit dem sie die Verteidigungssysteme der attackierten Schiffe ausschalten kann. Dieses Radarsystem ist bei den jüngeren Modellen nun offenbar noch einmal verbessert worden.

Israel hatte 2010, also Monate vor Beginn des Aufstands gegen Assad, noch versucht, den russisch-syrischen Deal zu verhindern. Russlands Vorgehen "erschwere die Situation in der Region" und "trage nicht zu Stabilisierung und der Schaffung eines Friedens" bei, warnte Israels Außenminister Avigdor Lieberman damals. Auch Premier Benjamin Netanjahu versuchte seinerzeit erfolglos bei seinem Amtskollegen Wladimir Putin zu intervenieren. Erst in der vergangenen Woche hatten Berichte über die Lieferung russischer S-300-Luftabwehrraketen an Syrien in westlichen Hauptstädten für Unruhe gesorgt.

Die russische Marine selbst hat in dieser Woche ihre Präsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt. Wie das zyprische Fernsehen am Freitagmorgen berichtete, liefen im Hafen von Limassol auf Zypern drei russische Kriegsschiffe ein: ein Zerstörer, ein Tanker und ein Begleitschiff. Die Schiffe gehören zur russischen Pazifikflotte und waren Anfang der Woche durch den Suez-Kanal gekommen. Zwei weitere russische Kriegsschiffe bewegten sich nach Informationen aus zyprischen Militärquellen zwischen Zypern und dem syrischen Hafen Tartus. Dort unterhält Russland einen Marinestützpunkt.

syd/dpa