Geheimdienst-Affäre Russland nimmt US-Diplomat wegen Spionageverdacht fest

Ein neuer Spionagefall droht das Verhältnis zwischen Russland und den USA weiter zu verschlechtern: Der russische Geheimdienst meldet die Festnahme eines amerikanischen Diplomaten. Der Mann soll in Moskau versucht haben, einen ihrer Mitarbeiter abzuwerben.
FSB-Zentrale in Moskau: US-Diplomat festgenommen

FSB-Zentrale in Moskau: US-Diplomat festgenommen

Foto: epa Sergei Chirikov/ picture alliance / dpa

Moskau - Der russische Geheimdienst FSB hat in der vergangenen Nacht in Moskau einen mutmaßlichen Agenten festgenommen. Der Mann sei US-Bürger und heiße Ryan Christopher Fogle, teilte die Behörde mit.

Fogle habe als dritter Sekretär in der politischen Abteilung der US-Botschaft in Moskau gearbeitet. Dem Mann wird der Versuch vorgeworfen, einen Mitarbeiter des FSB abzuwerben. Die Festnahme Fogles erfolgte offenbar, als der Amerikaner auf dem Weg zu dem Mann war.

Der Festgenommene habe mehrere tausend Euro in bar bei sich gehabt. Außerdem soll er ein Dokument mitgeführt haben, das Instruktionen für die Rekrutierung eines russischen Staatsbürgers für die CIA enthielt. Zudem habe er spezielle technische Geräte besessen - ebenso Gegenstände, um sein Aussehen zu verändern. Er trug außerdem mehrere Brillen, zwei Perücken, einen Stadtplan, einen Kompass, ein Messer und ein Handy mit sich. Laut seines Diplomatenausweises war Fogle seit April 2011 in Moskau stationiert.

US-Botschafter einbestellt

Fogle wurde in der Nacht verhört und dann an die US-Botschaft übergeben. Die Amerikaner wollten den Vorgang nicht kommentieren.

Der Fall dürfte das russisch-amerikanische Verhältnis weiter verschlechtern. Moskau brandmarkt NGOs, die Geld aus dem Ausland, vor allem aus den USA bekommen, als "ausländische Agenten". Russland hatte außerdem zur Jahreswende Adoptionen durch US-Bürger verboten - eine Reaktion auf Einreisesperren der Amerikaner für russische Beamte, denen der Tod des Steuerjuristen Sergej Magnizki in russischer Haft zur Last gelegt wird.

Das Außenministerium in Moskau bestellte wegen des Vorfalls den US-Botschafter Michael McFaul für diesen Mittwoch ein.

als/syd/bb/Reuters