Solidaritätskundgebung für Journalist Golunow Hunderte Festnahmen in Moskau

Bei Protesten in Moskau haben die Sicherheitskräfte Hunderte Teilnehmer festgesetzt, unter anderem den führenden Oppositionellen Nawalny.

Polizisten in Moskau
Pavel Golovkin/ AP

Polizisten in Moskau


Bei einer nicht genehmigten Solidaritätskundgebung für den Journalisten Iwan Golunow hat die russische Polizei mehr als 400 Personen festgenommen. Das berichten mehrere russische Medien übereinstimmend. Auch der prominente Oppositionspolitiker Alexej Nawalny befindet sich in Gewahrsam.

Auf Bildern ist zu sehen, wie Nawalny von Polizisten in einen Polizeibus gezogen wird. Er war in den vergangenen Jahren schon mehrfach festgenommen worden. Nawalny schrieb nach seiner Festnahme auf Twitter: "Es macht Sinn, die Machthaber sind höllisch erschrocken wegen der fantastischen und einmütigen Solidaritätsbekundung in der Golunow-Sache." Ihm drohen seiner Sprecherin zufolge bis zu 30 Tage Haft.

Golunow, der für das regierungskritische Onlineportal "Meduza" schreibt, wurde Drogenhandel vorgeworfen. Deshalb wurde der Journalist zunächst festgenommen. Allerdings erhielt er anschließend große öffentliche Unterstützung. Schließlich lenkte Moskau ein, ließ alle Anschuldigungen fallen und Golunow kam wieder frei.

Video aus Moskau: "Die Polizei greift hier energisch durch"

Alexander Nemenov/ AFP

Teilnehmer riefen "Russland ohne Putin"

Der Protestzug am Mittwoch, dem russischen Nationalfeiertag, war zunächst als Solidaritätsveranstaltung für Golunow geplant gewesen. Seine Unterstützer entschieden, auch nach seiner Freilassung die Kundgebung trotzdem stattfinden zu lassen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters kamen mehr als 1000 Teilnehmer. Demnach riefen sie unter anderem "Russland wird frei sein" und "Russland ohne Putin".

Auch einige Journalisten wurden am Rande der Demonstration festgenommen. Auch ein Mitarbeiter des SPIEGEL war zwischenzeitlich in Gewahrsam, wurde aber am Abend wieder freigelassen. Er hatte den Beamten zwar seinen Presseausweis gezeigt, wurde dann aber trotzdem gemeinsam mit anderen Festgenommenen in einen Polizeibus gebracht. Seine Kollegin, die SPIEGEL-Korrespondentin Christina Hebel, wies die Polizisten mehrfach darauf hin, dass es sich um einen Berichterstatter bei der Arbeit handelt. Sie wurde zur Seite gestoßen.

aev/AFP/Reuters/dpa



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