Russland Polizei nimmt Olympia-Kritiker fest

Sie wurden aus ihren Häusern geholt und verhört: Die russische Polizei hat Aktivisten festgenommen, die gegen Sotschi als Austragungsort der Olympischen Spiele protestierten. Die Beamten gaben vor, auf der Suche nach einem Extremisten zu sein.
Olympia-Deko in Sotschi: Umstrittenes Sport-Event

Olympia-Deko in Sotschi: Umstrittenes Sport-Event

Foto: DPA

Moskau - Nach Kritik an den Olympischen Winterspielen 2014 hat die russische Polizei führende Vertreter der Minderheit der Tscherkessen vorübergehend festgenommen. Acht Aktivisten seien in verschiedenen Städten im Nordkaukasus aus ihren Häusern geholt und in die Hunderte Kilometer entfernte Stadt Krasnodar gebracht worden, berichteten örtliche Medien am Sonntag.

Bei den Hausdurchsuchungen hätten die Polizisten behauptet, sie suchten nach einem Extremisten, der sich in einem der Häuser versteckt halte, sagte Ibragim Jaganow am Samstag, während er in Krasnodar unter Polizeiaufsicht auf seine Vernehmung wartete. In Krasnodar hätten die Beamten ihnen dann gesagt, sie würden als "Zeugen in irgendeinem Fall" festgehalten. Die Aktivisten gehen jedoch davon aus, dass ihre Festnahmen mit ihrer Haltung zu den Winterspielen in Sotschi zusammenhängen. Sie sollen in der kommenden Woche formell verhört werden.

Die Tscherkessen lehnen das Sportspektakel im Schwarzmeerort Sotschi ab, das auf den Gräbern ihrer Vorfahren stattfinde. Das Volk, von dem derzeit etwa 720.000 Menschen in Russland leben, war einst aus der Region vertrieben und zwangsumgesiedelt worden.

Sotschi liegt nahe am Nordkaukasus, wo es in der Vergangenheit immer wieder Unruhen gab. Für Moskau sind die Winterspiele, die am 7. Februar beginnen, ein Prestigeprojekt. Es gibt aber immer wieder negative Schlagzeilen, unter anderem wegen Umweltsünden beim Bau der Wettkampfstätten.

Russland steht außerdem wegen seines Anti-Homosexuellen-Gesetzes und wegen der Unterdrückung der Opposition international in der Kritik. Bürgerrechtler riefen Sportler und Politiker deshalb wiederholt zum Boykott des Sportereignisses auf. Zuletzt hatten auch Zwangsumsiedlungen, sklavenähnliche Verhältnisse für die Gastarbeiter und Korruptionsskandale rund um die Olympia-Vorbereitungen in Sotschi für Aufsehen gesorgt.

sto/dpa/AFP
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