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27. August 2012, 17:57 Uhr

Haftstrafe

Pussy-Riot-Punkerinnen legen Berufung ein

Die Musikerinnen der russischen Band Pussy Riot haben Widerspruch gegen ihre Verurteilung eingelegt. Die Richter hatten jeweils zwei Jahre Lagerhaft gegen die Frauen verhängt, weil sie in einer Kirche ein Punkgebet gegen Kremlchef Putin vorgetragen hatten.

Moskau - Im Verfahren gegen die russische Punkband Pussy Riot hat die Verteidigung am Montag Berufung gegen die Urteile eingelegt. "Alle Unterlagen" seien beim zuständigen Gericht in Moskau eingereicht worden, sagte Verteidigerin Wioletta Wolkowa. Die Musikerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch waren vor gut einer Woche wegen "Rowdytums" und "Anstiftung zu religiösem Hass" zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. "Wir konnten erst heute reagieren, nachdem wir den Richterspruch endlich schriftlich erhalten haben", sagte Anwalt Nikolai Polosow am Montag Medienberichten zufolge in Moskau. Die Urteilsbegründung sei stellenweise "sehr schwer zu verstehen", sagte er.

Die 22, 24 und 30 Jahre alten Frauen hatten bei einem sogenannten Punkgebet am 21. Februar in einer Moskauer Kathedrale die Muttergottes aufgefordert, den damaligen Regierungschef und heutigen Präsidenten Wladimir Putin zu vertreiben. Zudem hatten sie die enge Verzahnung von Staat und Kirche in Russland angeprangert. Insgesamt hatten die Ermittler 3000 Seiten Unterlagen zu dem etwa einminütigen Gebet zusammengetragen.

In ihrer Begründung für das Urteil hatte Richterin Maria Syrowa erklärt, die Frauen hätten sich "Anstiftung zum religiösen Hass" zuschulden kommen lassen. Durch ihre Protestaktion sei "moralischer Schaden für die Anwesenden Gläubigen" entstanden. Die Untersuchungshaft von knapp sechs Monaten werde angerechnet. Die Richterin sagte, sie habe mildernde Umstände bei der Festlegung des Strafmaßes gelten lassen. Auf die Tat könne dennoch nur mit Freiheitsentzug reagiert werden, so Syrowa. Sie folgte bei der Verlesung des Urteils in weiten Teilen der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Diese hatte drei Jahre Lagerhaft gefordert.

Nach Ansicht von Beobachtern könnten die Strafen in einem Berufungsverfahren reduziert werden. Die russische Polizei sucht noch nach zwei weiteren Mitgliedern von Pussy Riot. Sie setzten sich nach Angaben der Band jedoch inzwischen ins Ausland ab.

ler/AFP/dpa

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