Russland Putin droht mit Aufkündigung von Abrüstungsvertrag

Eine neue Drohung: Russlands Präsident Putin erwägt, aus einem zentralen Abrüstungsvertrag auszusteigen. Damit will er offensichtlich verhindern, dass die USA ihre umstrittenen Raketen-Abwehrpläne in Europa weiterverfolgen.


Hamburg/Moskau - Der russische Präsident sieht sein Land längst wieder auf Augenhöhe mit den USA - und genauso benimmt er sich: Nun droht Wladimir Putin mit dem Ausstieg aus einem zentralen Abrüstungsvertrag. Pikanterweise sprach er die Drohung bei einem Treffen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice und US-Verteidigungsminister Robert Gates in Nowo-Oragewo bei Moskau aus.

Russlands Präsident Putin: Neue Drohung gegen den Westen
AP

Russlands Präsident Putin: Neue Drohung gegen den Westen

Bei dem betreffenden Dokument handelt es sich um den sogenannten INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces), der 1987 vom damaligen Sowjet-Führer Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan unterzeichnet wurde und die USA und Russland zur Abrüstung von atomaren Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometern verpflichtet.

Putin sagte, für Russland sei es problematisch, dem Vertrag weiter anzugehören, wenn dieser sich nicht auch auf andere Länder beziehe. Die Bestimmungen sollten zu einem "wahrhaft universalen Vertrag" ausgeweitet werden.

Rice und Gates hielten sich zu Beratungen über den geplanten US-Raketenschild in Osteuropa in Russland auf. Dieser wird von Russland als Bedrohung seiner Sicherheit betrachtet. Rice wirbt weiter für die umstrittenen Pläne: "Es gibt zwischen uns einige Meinungsverschiedenheiten. Aber wir werden unsere Kraft dafür einsetzen, sie zu überwinden", sagte sie.

Dagegen erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow, ein Durchbruch bei den Gesprächen sei sehr fraglich. Weitere Gesprächsthemen dürften die Lage in Iran sowie die im November geplante Nahost-Friedenskonferenz in den USA sein.

Rice und Gates bleiben bis Morgen in Russland, dann will Rice in den Nahen Osten weiterreisen.

flo/AFP/dpa



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