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Weltkriegsparade in Moskau Putin zeigt seinen Neuen

Geheimwaffen und ein neuer Panzer rollen aus den Fabriken, 15.000 Soldaten marschieren: Zum 70. Jahrestag des Sieges über Hitler fährt Moskau am Wochenende groß auf. Beeindrucken will Putin vor allem einen Ehrengast aus China.

Es ist ein Aufmarsch der Superlative, den Russlands Präsident Wladimir Putin zum 9. Mai in Moskau plant. Zum 70. Jahrestag der Niederschlagung des Naziregimes wird in der Hauptstadt die größte Heerschau in der russischen Geschichte stattfinden.

Der Marschtritt von 15.000 Soldaten soll über den Roten Platz hallen. 200 Panzer werden am Lenin-Mausoleum vorbeirollen und 140 Kampfflugzeuge und Hubschrauber durch den Himmel ziehen. Für Zarenwetter sorgt eine spezielle Flugstaffel, die mit Silberjodid die Wolken verschwinden lässt

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Moskau: Putin öffnet seinen Waffenschrank

Foto: Yuri Kochetkov/ dpa

Nicht nur die schiere Zahl, sondern auch die Qualität der Waffen soll die Welt beeindrucken. So hat es sich das russische Machtzentrum ausgemalt.

"Völlig neue Technik" werde man zeigen, verspricht der für die Rüstungsindustrie zuständige Regierungsvize Dmitrij Rogosin. Das Schmuckstück der Parade ist der neue Panzer "Armata". Das Kampffahrzeug wurde über Jahre geheim in der Rüstungsschmiede Uralwagonsawod in Nischni Tagil am Ural entwickelt.

Die Fabrik produzierte während des Zweiten Weltkriegs den berühmten Panzer T 34, dessen Massenproduktion maßgeblich zum Sieg über die Wehrmacht beitrug. 2010 arbeiteten dort wieder mehr als 27.000 Menschen. Insgesamt zählt die erstarkte russische Rüstungsbranche rund zwei Millionen Beschäftigte. Die russische Armee erhält in den nächsten fünf Jahren 2300 "Armata"-Panzer.

Außerdem soll der bislang als "streng geheim" eingestufte Panzerwagen "Kurganez 25" über den Roten Platz rollen. Das Fahrzeug enthält das Modul "Epoche" mit einem Roboter, der selbst die Ziele für die 30-Millimeter-Kanone sucht. Mit der gleichen Waffe ist auch der bislang getarnte Truppentransporter "Bumerang" ausgestattet, der die Heeresbrigaden mobiler machen soll.

Für Waffen ist also ausreichend gesorgt - und auch die Gästeliste hat es in sich. Kubas Präsident Raùl Castro wird kommen, der Staatschef Vietnams Truong Tan Sang ebenfalls. Neben Lenins Mausoleum präsentiert sich damit eine Front von Volksrepubliken, die nach 1945 mit sowjetischer Unterstützung entstanden sind. Dabei marschieren die von Moskau unterstützten "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk im Geist in Moskau mit.

Putins "großer Freund" in Peking

Der wichtigste Gast kommt aber aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde: Xi Jinping. Chinas Staatspräsident und KP-Generalsekretär darf als weltweit mächtigster Russlandversteher gelten.

Putin mit Xi Jinping: Besuch vom "großen Freund"

Putin mit Xi Jinping: Besuch vom "großen Freund"

Foto: AFP/RIA-NOVOSTI

Putin nannte seinen fast gleichaltrigen chinesischen Amtskollegen kürzlich "meinen persönlichen großen Freund". Mit ihm vereinbarte er im März regelmäßige Kontakte zwischen dem Apparat des Zentralkomitees der Chinesischen KP und der russischen Präsidentenverwaltung. Derartige Beziehungen unterhält die chinesische Führung nur mit Russland. Nach Informationen des Kreml-nahen Politik-Zirkels "Isborsk Klub" haben die russische und die chinesische Führung zudem vereinbart, dass am 9. Mai auch eine Einheit der Chinesischen Volksbefreiungsarmee über den Roten Platz marschieren wird.

Dass dies mehr ist als eine rein symbolische Geste, zeigt das Bekenntnis des Chefs des staatlichen Waffenhandelskonzerns Rosoboronexport Anatoli Issajkin in der Moskauer Tageszeitung "Kommersant": Ich denke, wenn wir im Interesse der Volksrepublik China arbeiten, arbeiten wir in unserem eigenen Interesse."

Die Annäherung an China wird nach einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Instituts in Moskau von 75 Prozent der Russen positiv gesehen. Die Mehrheit der Bürger sieht in der Verbindung ein Gegengewicht zum Westen, der den Sanktionskurs fortsetzt.

Immerhin die Chinesen kommen

Der aufwendig inszenierte Besuch der Chinesen muss aber auch einiges kompensieren. Denn auch die Liste der Absagen ist lang. Die USA, ihre Verbündeten und die meisten EU-Länder bleiben der Parade fern. Darunter neben Deutschland auch Russlands Nachbarländer Polen, Ukraine, Litauen, Lettland und Estland.

Umso wichtiger ist für Moskau in dieser Lage daher, dass es auch die Präsidenten Indiens und Südafrikas wird begrüßen können. Diese Staaten und Brasilien sind mit Russland und China im ökonomischen Staatenbündnis BRICS vereint. Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat sein Kommen zugesagt.

Russland richtet im Juli in der tatarischen Stadt Ufa den nächsten BRICS-Gipfel aus. Auch damit will der Kreml eine Botschaft an den Westen senden: Seht her! So isoliert, wie ihr es gern hättet, sind wir nicht.


Zusammengefasst: Russland feiert das Jubiläum des Weltkriegsendes - mit einer XXL-Waffenschau. Erwartet wird unter anderem Xi Jinping, Chinas Staatspräsident. Den will Wladimir Putin unbedingt beeindrucken. Denn bei der gegenwärtigen Isolation der Russen, kann er jeden Partner brauchen.

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