Kreml-Klatsch Putins Tochter und der Milliardär

Der Kreml dementiert, aber die Hinweise verdichten sich: Wladimir Putins Tochter Jekaterina lebt unter dem Tarnnamen Tichonowa in Moskau. Verheiratet ist sie mit einem schwerreichen Freund der Familie.

Jekaterina Putina-Tichonowa: Im Fahrwasser von Putins Karriere
imago/ Eastnews

Jekaterina Putina-Tichonowa: Im Fahrwasser von Putins Karriere

Von , Moskau


Es gibt Politiker, die holen ihre Familie demonstrativ auf die Bühne, als Wahlkampfhelfer und Kulisse, um sympathischer zu erscheinen. Die meisten US-Präsidenten machen das. Es gibt auch Politiker, die Privates aus dem Rampenlicht heraushalten wollen, so gut es eben geht. Angela Merkel gehört dazu.

Und es gibt Wladimir Putin. Sein Privatleben ist wie ein schwarzes Loch. Weitgehend unerforscht, aber Gegenstand ständiger Spekulationen.

Jeder Mensch hat das Recht, seine Privatsphäre zu schützen, das gilt auch für russische Präsidenten. In Putins Fall lässt sich aber seit Jahren beobachten, dass große Heimlichkeit vor allem zu einem führt: besonders großem Interesse.

Auftritte von Putins Ehefrau Ljudmila waren - bis zur Verkündung ihrer Trennung 2013 - seltener als Sichtungen des vom Aussterben bedrohten Amur-Tigers. Das allerdings erst hat jeden einzelnen zum öffentlichen Aufreger gemacht: Sah Ljudmila Putina glücklich aus oder nicht doch ein wenig aufgequollen? Zeitungen behaupteten, sie liebe einen anderen Mann. Andere schrieben, er habe sie verstoßen, vielleicht sogar in ein abgelegenes Kloster?

Auch das Schicksal von Putins in Dresden geborenen Töchtern Maria und Jekatarina hat der Kreml mit einem Mantel des Schweigens umhüllt. Wie sehr das Thema Moskau elektrisiert, unterstrich schon der Artikel, der im Januar erstmals etwas Licht auf Jekaterinas geheimes Leben warf. Die Überschrift lautete schlicht "Ona" - sie.

Who's Who der Putin-Freunde

Was damals Vermutung war, haben Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters nun erhärtet: Jekaterina Putina, 29, lebt unter einer Tarnidentität in Moskau. Sie nennt sich "Katerina Tichonowa". Als Kronzeugen nennt Reuters den Chef der Gazprombank.

Putina-Tichonowa bekleidet demnach einen einflussreichen Posten an Moskaus Staatsuniversität. Sie treibt eine Campus-Erweiterung voran, die 1,7 Milliarden Dollar kosten soll. Sie leitet auch einen Innovationsfonds. Das Kuratorium liest sich wie ein Who's Who der Putin-Freunde. Sergej Tschemesow, Chef der Staatsholding Rostech, hat mit dem heutigen Staatschef beim KGB in Dresden gearbeitet. Sie wohnten im selben Wohnblock. Das gleiche gilt auch für ein weiteres Kuratoriumsmitglied: Nikolai Tokarjew, Chef des staatlichen Pipeline-Konzerns Transneft.

Auch privat folgt Jekaterina dem Fahrwasser ihres Vaters. Sie ist verheiratet mit Kirill Schamalow, dem Sohn eines Geschäftsmanns namens Nikolai Schamalow. Schamalow senior hat 1996 mit Putin die Datschen-Kooperative "Osero - See" - gegründet.

Schamalow senior war 2011 außerdem Schlüsselfigur in einem Skandal: Er sollte den Bau eines Hunderte Millionen Dollar teuren Palasts am Schwarzen Meer vorantreiben, der angeblich als Privatdomizil Putins gedacht war.

Putins Abneigung gegen schnüffelnde "Rotznasen"

Die russische "Forbes"-Ausgabe hat Schamalows Vermögen mal auf rund 500 Millionen Dollar taxiert. Damit würde er nur in der dritten Liga unter Russlands Magnaten spielen. Sein Sohn Kirill dagegen bringt es laut Reuters bereits auf mindestens zwei Milliarden Dollar. So viel ist seine 21-Prozent-Beteiligung am Petrochemie-Riesen Sibur wert. Verkauft hatte ihm den Anteil der Milliardär Gennadij Timtschenko. Timtschenko kennt Putin seit vielen Jahren persönlich. Die Höhe des Kaufpreises ist unbekannt, ebenso der Ursprung des Geldes, mit dem Putins Schwiegersohn die Akquisition tätigte.

Spärlich sind die Informationen über Jekaterinas ältere Schwester. Maria, 31, hat Biologie studiert. Sie arbeitet offenbar ebenfalls an der Moskauer Staatsuniversität und leitet eine Hilfsorganisation für kranke Kinder, gesponsert von einem Oligarchen. Verheiratet ist sie mit Jorrit Joost Faassen, einem Niederländer, der früher für die Gazprombank arbeitete.

Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow hat übrigens erklärt, er könne den Reuters-Bericht "entkräften". Der Kronzeuge der Gazprombank habe bereits dementiert, Katerina Tichonowa jemals als Tochter des Präsidenten identifiziert zu haben. Reuters bleibt aber bei der Darstellung, Bericht und Zitat seien korrekt.

Der Präsident selbst äußerte sich nicht. Seine Einstellung zu Publikationen über sein Privatleben hatte er aber bereits 2008 zu Protokoll gegeben.

Er könne jene nicht leiden, "die mit ihren Rotznasen in fremden Leben rumschnüffeln".

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vox veritas 12.11.2015
1. Witzig
"Er könne jene nicht leiden, "die mit ihren Rotznasen in fremden Leben rumschnüffeln". Welche lustige Bemerkung von jemandem, der berufsmäßiger Schnüffler war. Kann er sich selbst nicht leiden?
quark2@mailinator.com 12.11.2015
2.
Wie würde sich wohl Frau Merkel fühlen, wenn russische Zeitungen die Aufenthaltsorte und Decknamen ihrer Kinder veröffentlichen würden. Steht hier das Schutzinteresse der Privatperson nicht weit über dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit ??? Auf der einen Seite Gefahr für Leib und Leben, auf der anderen Seite nur Tratsch über Personen, die nicht Teil der Zeitgeschichte sind ... Höchst fragwürdig :-(.
mapsjanhere 12.11.2015
3. Karrieresprung
Der neue Chef der Gazprombank bestaetigt das sein Vorgaenger sich jetzt direkt in der Energiegewinnung im Nordosten des Landes beschaeftigt.
wahrsager26 12.11.2015
4. Prominente
Ja,natürlich kann ich verstehen,das die Neugierde befriedigt werden soll.Aber ich verstehe auch Herrn Putin: Er will eben nicht haben,dass plötzlich im Rampenlicht der ganze 'erwirtschaftete' Prunk sichtbar wird...Wer kann schon ehrlich in einem Leben 5Milliarden verdienen?Dieses Verhalten ist gute russische Tradition!Danke
Featherduster 12.11.2015
5. Tratsch,
sowas interessiert niemanden.
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