Russland Regierung beunruhigt über US-Raketensystem in Polen

Die russische Führung ist besorgt über die mögliche Stationierung eines US-Raketenabwehrsystems in den neuen Nato-Staaten Polen und Tschechien. "Diese Pläne beunruhigen uns sehr", sagte Verteidigungsminister Sergej Iwanow.


Moskau – Russland werde die Stationierung der US-Raketen in seiner militärischen Strategie für die kommenden fünf Jahren berücksichtigen, sagte Iwanow. Der russische Verteidigungsminister trifft morgen in Sankt Petersburg auf seinen deutschen Kollegen Franz Josef Jung.

Die "New York Times" hatte unter Berufung auf Quellen im Pentagon berichtet, die US-Regierung plane bis 2011 zehn Raketenabwehrsysteme in Polen und Tschechien zu errichten. Mit den Systemen sollen iranische Raketen abgewehrt werden.

Dies sei ein vorgeschobenes Argument, so der russische Generalstabschef Juri Balujewski, das sich nicht nur mit "schwachen Geographiekenntnissen" erklären lasse. Tatsächlich gehe es den USA darum, eventuelle Bedrohungen durch Russland abzuwehren.

Dennoch stelle ein solches Abwehrsystem in den einstigen Bruderstaaten Polen und Tschechien kein ernsthaftes Problem dar. Moskau verfüge bereits heute über Interkontinental-Raketen mit Sprengköpfen, die jedes Raketenabwehrsystem überwinden könnten, sagte Balujewski laut der Nachrichtenagentur Interfax in Moskau.

Iwanow kündigte an, mehr Geld für die Modernisierung der Streitkräfte aufzuwenden. Für 2007 seien im Staatsbudget insgesamt 28,5 Milliarden Dollar für die Streitkräfte reserviert, knapp 17 Prozent mehr als in diesem Jahr. Nach den finanziell schwierigen neunziger Jahren steigen die Ausgaben für die russischen Streitkräften seit einigen Jahren wieder deutlich an.

abi/dpa



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