Russland Regierungsberater preist geplantes Kondom-Einfuhrverbot

Der Konflikt zwischen Moskau und dem Westen wirkt sich womöglich auf das Liebesleben der Russen aus. Die Regierung plant Handelsbeschränkungen für Kondome. Ein Berater lobt die Idee - auch weil sie helfe, die demografischen Probleme zu lösen.

Kondom: Russland hat eine der höchsten HIV-Ansteckungsraten in Europa
DPA

Kondom: Russland hat eine der höchsten HIV-Ansteckungsraten in Europa


In der Auseinandersetzung mit dem Westen plant Russland neue Vergeltungsmaßnahmen. Das Moskauer Handelsministerium hat vorgeschlagen, westliche Hersteller von medizinischen Gütern von Staatsaufträgen auszuschließen - als Antwort auf Sanktionen des Westens. Die Maßnahme soll für Apparate wie Röntgengeräte gelten, aber auch für Einmalprodukte wie Gummihandschuhe und Kondome westlicher Herstellung.

Ein hochrangiger Gesundheitsfunktionär hat sich nachdrücklich für die Initiative ausgesprochen. Gennadij Onischenko, Berater von Premierminister Dmitrij Medwedew, lobt insbesondere den geplanten Verzicht auf Kondome.

Ein Kondomverzicht habe positive Folgen: "Das zwingt lediglich, disziplinierter zu sein, strenger und wählerischer bei der Entscheidung für einen Partner". Der Kondomverzicht könnte der Gesellschaft zudem einen Dienst erwiesen, und zwar bei "der Lösung demografischer Probleme".

Widerspruch kam hingegen vom Chef des föderalen Zentrums für HIV-Prophylaxe. Kondome sollten nicht als Mittel benutzt werden, um ausländische Firmen zu treffen, sagte Wadim Pokrowski. Die Russen würden auch so schon viel "zu selten Gebrauch von Präservativen machen", sagte er der Nachrichtenseite Ura.ru.

Russland hat eine der höchsten HIV-Ansteckungsraten in Europa. Rund eine Million Menschen gelten als mit dem Virus infiziert. In Deutschland waren es 2013 rund 80.000.

Gennady Onischenko war bis Ende 2013 Chef der obersten Gesundheitsbehörde in Russland. Der Mediziner trägt den Titel "Verdienter Arzt der Russländischen Föderation".

beb



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