Affäre Skripal Regierungssprecherin unterstellt Westen niedere Beweggründe

Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sind wegen der Affäre Skripal extrem belastet. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums unterstellt nun, Ziel sei, ihrem Land "die WM wegzunehmen".
Marija Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums

Marija Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums

Foto: YURI KADOBNOV/ AFP

Die diplomatische Krise nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripalund seine Tochter Julija vertieft sich. In dem Streit haben zunächst Großbritannien, die USA und weitere westliche Staaten insgesamt rund 130 russische Diplomaten ausgewiesen. Russland reagierte am Freitag mit der Ausweisung von 59 Diplomaten aus 23 Ländern.

Nun hat die Sprecherin des russischen Außenministeriums den USA und Großbritannien vorgeworfen, die WM in Russland stoppen zu wollen.

"Ich habe den Eindruck, dass Russland die Weltmeisterschaft wegzunehmen alles ist, was für sie zählt", sagte Marija Sacharowa laut einem Bericht der BBC . Dafür sei ihnen "jedes Mittel recht".

Bisher gibt es laut BBC keine Pläne, dass England die WM boykottieren will. Doch nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf Skripal hatte die britische Premierministerin Theresa May erklärt, dass weder Regierungsmitglieder noch Vertreter des Königshauses das Turnier besuchen werden. Die WM in Russland findet vom 14. Juni bis zum 15. Juli statt.

Island hat bereits angekündigt, dass wegen des Giftanschlags keine Politiker und Funktionäre aus dem Land zur WM reisen werden. Deutsche Politiker aus den Koalitionsparteien und der Opposition äußerten jedoch Vorbehalte gegen die Idee, der Fußballweltmeisterschaft fernzubleiben.

"Ich bin gegen einen politischen Boykott der Fußball-WM in Russland", hatte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), kürzlich dem SPIEGEL gesagt. Ähnlich hatte sich der neue Innen- und Sportminister Horst Seehofer geäußert: "Politische Probleme muss die Politik lösen und nicht der Sport", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Über die Reiseplanungen Merkels ist bislang nichts bekannt. "Das wird zu gegebener Zeit entschieden", sagte ein Regierungssprecher. Eine Sprecherin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Es gibt derzeit keine konkreten Planungen für eine weitere Reise des Bundespräsidenten nach Russland."

Der damalige Bundespräsident Gauck war den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi aus Protest gegen die Politik Russlands ferngeblieben. Kanzlerin Merkel hat sich in der Vergangenheit stets gegen den politischen Boykott von sportlichen Großereignissen gestellt.

jpz
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