Moskau Polizei nimmt Homosexuellen-Aktivisten vor Kinderbücherei fest

"Homosexuell zu sein, ist normal", stand auf seinem Schild. Die russische Polizei hat deshalb einen Mann und fünf weitere Aktivisten vor einer Kinderbibliothek festgenommen. Die Justiz wirft ihnen "Homosexuellen-Propaganda" vor.

Lesben-Protest in Moskau (Archivbild): "Ein apokalyptisches Symptom"
REUTERS

Lesben-Protest in Moskau (Archivbild): "Ein apokalyptisches Symptom"


Moskau - Seit Ende Juni ist in Russland sogenannte Homosexuellen-Propaganda verboten. Positive Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien wie das Internet stehen seither unter Strafe.

Eine Gruppe von Schwulen und Lesben hat am Mittwoch die russische Polizei herausgefordert und gezielt gegen das Gesetz demonstriert. Vor einer Kinderbibliothek in Moskau hielt am Mittwoch ein Mann ein Schild mit der Aufschrift "Homosexuell zu sein, ist normal" hoch. Daraufhin eilten Polizisten und Mitglieder einer Anti-Terror-Einheit herbei und nahmen insgesamt sechs Personen widerstandslos fest. Ihnen drohen nun hohe Geldstrafen.

Die Aktivistin Mascha Gessen bezeichnete die Aktion in der russischen Hauptstadt als "Testballon". Die Gruppe habe die Reaktion der Justiz testen wollen.

Angriff auf Homosexuelle in Montenegro

Das Gesetz schließt auch Ausländer mit ein, die nach Russland reisen, um Kundgebungen von Homosexuellen zu unterstützen. Deshalb hatten die Behörden am Dienstag bereits vier niederländische Aktivisten bestraft. Sie sollen in einem Jugendlager nahe der nordrussischen Großstadt Murmansk mit Minderjährigen über Homosexualität gesprochen haben. Die zwei Frauen und zwei Männer hätten damit gegen die Visumvorschriften verstoßen, sagte ein Behördensprecher. Die Niederländer dürfen nun drei Jahre lang nicht mehr nach Russland einreisen.

Die strengen Gesetze gelten als Zugeständnis an die einflussreiche orthodoxe Kirche in Russland. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill hatte erst am Wochenende gegen Homosexuelle gehetzt. "Das ist ein sehr gefährliches apokalyptisches Symptom. (...) Denn das bedeutet, dass das Volk den Pfad der Selbstzerstörung einschlägt", sagte Kirill in der Kasaner Kathedrale am Roten Platz.

Mit diese Meinung steht das Kirchenoberhaupt in Osteuropa nicht allein. Am Mittwoch hat ein Umzug von Schwulen und Lesben in dem Urlauberort Budva in Montenegro für Unruhen gesorgt. Die von einem massiven Polizeiaufgebot geschützten Homosexuellen wurden von wütenden Passanten mit Steinen, Gläsern, Flaschen und Eiern beworfen. "Bringt sie um! Bringt sie um", riefen mehrere Angreifer. Die montenegrinische Polizei nahm etwa 20 Angreifer fest. Die Lesben und Schwulen mussten mit einem Boot aus der Gefahrenzone fliehen.

syd/dpa

insgesamt 17 Beiträge
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Septic 24.07.2013
1. und wieder mal ist Religion schuld
So wie die meisten Menschen den Aberglauben an Hexen, Trolle und andere Fantasiewesen abgelegt haben sollte man endlich die ganzen Fantasien der Religionen hinter sich lassen. Es führt nur zu Problemen und Intoleranz wie man hier wieder sieht.
spiegelneuronen 24.07.2013
2. Sorry, habe mich verlesen ...
ich wollte schon fragen, was mit der Polizei in Berlin los ist? Dann habe ich aber gelesen, dass es in Russland vor einer Bücherei war und nicht in Berlin, am Neptunbrunnen gegenüber vom Rathaus. Ein paar Grundrechte sollten auch in Deutschland erhalten werden, auch wenn man gerade Art. 10 abschafft. In Russland sind es leider auch Grundrechte, die den Bürgern nicht zugebilligt werden.
silberwolf 24.07.2013
3. .
Man sieht immer wieder, dass dogmatische Glaubenssysteme jeglicher Art (seien sie religiöser oder politischer Natur) der ideale Nährboden für Hass und Gewalt sind. Die Aussagen dieses peinlichen Kirill sind ein Schlag ins Gesicht jedes aufgeklärten Menschen...Bin gespannt, wann der erste Kommentar von irgendwelchen feigen Duckmäusern hier auftaucht nach dem Motto "Ist ja Gesetz in Russland, also muss man sich dran halten."....Was sagen die Leute, die durch den Fall Snowden auf einmal Sympathie für Russland hegen, denn hierzu?
ffmhallo 24.07.2013
4. Auch unser lieber Exkanzler schweigt
Sollte man nicht von unserem lieben Ex-Kanzler Schröder von der SPD erwarten, dass er sich hier mal zu Wort meldet? Anstatt dessen schwelgt er lieber in den finanziellen Vorteilen der "lupenreinen Demokratie".....
Nicht ausspionierbar 24.07.2013
5. altet
Das ist keine falsche Ansicht. Die Kinder werden davon keinen Schaden nehmen, Leute wie Sie geben mit ihrer Argumentation nur weiter welchen Schaden Sie bereits besitzen. Ich.finde die Aktion mit dem Plakat sehr gut! Religion hat ebenfalls nichts im Staat zu suchen egal welcher!
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