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Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise": Crew darf nach Hause

Foto: AFP/ Greenpeace/ Denis Sinyakov

Rowdy-Amnestie Russland stellt Verfahren gegen Greenpeace-Aktivisten ein

Die vor drei Monaten in der Arktis festgenommenen Greenpeace-Aktivisten können Neujahr wohl zu Hause feiern. Die russische Justiz hat nach einer Amnestie die Anklagen wegen Rowdytum fallen gelassen. Nur ein Italiener muss sich noch gedulden.

Moskau - Im September wurde die Crew des Greenpeace-Schiffs "Arctic Sunrise" wegen einer Protestaktion in der Barentssee festgenommen. Jetzt hat die russische Justiz nach einer vom Parlament beschlossenen Amnestie das Verfahren gegen fast alle Aktivisten eingestellt.

Wie die Umweltschutzorganisation mitteilte, wurden 25 der 26 angeklagten Ausländer am Mittwoch darüber informiert, dass die Anklagen gegen sie fallengelassen worden seien. Von der Amnestie profitierten damit bis Mittwoch 29 der 30 Besatzungsmitglieder, die gegen die Ölbohrungen des russischen Energiekonzerns Gazprom in der Barentssee protestiert hatten.

Nur das Verfahren gegen den Italiener Cristian d'Alessandro wurde nach Greenpeace-Angaben zunächst nicht formell eingestellt. Die Behörden konnten demnach keinen Dolmetscher für ihn auftreiben. Er soll am Donnerstag erneut bei den Justizbehörden vorstellig werden.

Am Dienstag war bereits die Anklage gegen den Briten Anthony Perrett fallengelassen worden. Nach Angaben von Greenpeace hat er als Erster der Crew sein Ausreisevisum am Donnerstag erhalten. Auch die vier russischen Greenpeace-Aktivisten haben von der Amnestie profitiert.

Wochenlang in russischer Haft

Einige der Ausländer, die keine Visa benötigen, konnten damit sofort das Land verlassen. Zudem reichten mehr als 20 Männer und Frauen bei der Migrationsbehörde Anträge auf ein Ausreisevisum ein, wie die Agentur Interfax meldete. Dieses würden sie hoffentlich "in den kommenden Tagen" erhalten, erklärte die Umweltschutzorganisation. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie Neujahr daheim bei ihren Familien verbringen können", sagte Iwan Wolkow von Greenpeace Russland.

Die 30 Aktivisten waren zunächst wegen Piraterie angeklagt worden, später wurde dies in den Vorwurf des Rowdytums abgeschwächt. Ihnen drohten lange Haftstrafen. Nach ihren Festnahmen hatten sie wochenlang in Haft gesessen, bis sie im November auf Kaution freikamen. Sie durften jedoch das Land nicht verlassen.

Am 18. Dezember hat das russische Parlament ein Amnestiegesetz verabschiedet, das landesweit bis zu 25.000 Häftlingen zugutekommen könnte. Am Montag waren in diesem Zusammenhang bereits die beiden noch inhaftierten Musikerinnen der Punkband Pussy Riot, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, freigelassen worden. Da das Gesetz nicht nur für verurteilte Straftäter, sondern in bestimmten Fällen auch für Angeklagte gilt, konnten auch die Greenpeace-Aktivisten davon profitieren.

abl/AFP/dpa
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