Manöver in der Barentssee Russland testet Langstreckenrakete

Moskau demonstriert erneut seine Macht. Nach dem Marine-Manöver im Ärmelkanal hat die russische Armee nun eine Interkontinentalrakete getestet. Sie wurde von einem Atom-U-Boot in der Barentssee abgefeuert.

Russisches Kriegsschiff "Admiral Kulakow" im Ärmelkanal (Archivaufnahme): In der Straße von Calais
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Russisches Kriegsschiff "Admiral Kulakow" im Ärmelkanal (Archivaufnahme): In der Straße von Calais


Moskau/Berlin - Die russische Marine hat am Freitag eine Interkontinentalrakete vom Typ Bulawa getestet. Sie wurde in der Barentssee von einem Atom-U-Boot abgefeuert. Die Rakete mit dem Nato-Code SS-N-30 sei auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka eingeschlagen, meldet die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Verteidigungsministerium.

Russland hatte in den vergangenen Wochen bereits mehrfach Interkontinentalraketen getestet. Zudem hält es eine Marine-Übung im Ärmelkanal ab. Es ist ein weiteres Militärmanöver von der Sorte, wie Russland sie seit Wochen mit verschiedenen Streitkräften weit außerhalb seiner Landesgrenzen abhält - auch mit Langstreckenbombern. Die Nato hatte die Übungen als "ungewöhnlich" bezeichnet. Allerdings halten sich die russischen Streitkräfte in neutralen Gewässern oder im internationalen Luftraum auf.

Die Bundesregierung kritisierte die jüngste See-Übung mit Blick auf die ohnehin gespannte Lage zwischen Russland und dem Westen. "Das ist nichts, was zur Entschärfung beiträgt, und auch überflüssig", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier der "Bild"-Zeitung.

Russische Schiffe in der Seine

Wie die russische Marine mitteilte, liefen der U-Boot-Zerstörer "Seweromorsk" sowie weitere Schiffe wegen Unwetters in die neutralen Gewässer einer Seine-Bucht ein. Dem Verband gehört demnach auch das Landungsschiff "Alexander Otrakowski" an. Die Matrosen sollen unter anderem Aufklärungseinsätze unter Wasser durchspielen. Trainiert würden außerdem Gefahrenlagen bei Bränden an Bord oder bei Eindringen von Wasser im Fall eines Lecks. Der Verband war am 20. November aus dem Hafen der russischen Stadt Seweromorsk ausgelaufen.

Ein Sprecher des Berliner Verteidigungsministeriums sagte: "So wie dieser Verband zusammengestellt ist, sieht es aus wie ein ganz normaler Übungsverband. Und insofern ist er für uns nicht weiter dramatisch. Und stellt auch dort keine besondere Situation dar." Die britische Marine hatte die russischen Schiffe am Dienstag durch die Straße von Dover begleitet, wie das Londoner Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte. Alle Schiffe dürften nach internationalem Recht diesen Weg nehmen, sagte ein Sprecher.

Russland will mit seiner Präsenz angesichts der schwersten Krise mit dem Westen seit dem Kalten Krieg militärische Stärke zeigen. Auch Nato-Staaten hatten zuletzt zum Ärger Russlands im Osten Europas immer wieder Manöver abgehalten, darunter auch in der Ukraine.

ler/dpa

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Lebonk 29.11.2014
1. Postpubertäre Kraftmeierei
Wenn Putin ernstgenommen werden will, sollte er mit diesen postpubertären Spielchen aufhören. Das Verhalten ist ja nur lächerlich. Bleibt zu hoffen, dass er seine Spielzeuge angesichts der immer knapper werdenden Kassen überhaupt noch nach Hause bekommt. Wie geschichtlich bedeutend könnte der Mann werden, wenn er den wirtschaftlichen Umbau Russlands betreiben und so auf Augenhöhe mit anderen Staaten käme. Stattdessen nur aus Großmannssucht Völkerrechtsbruch und armseliges Säbelrasseln - peunlich, peinlich.....
leser00nix 29.11.2014
2. raketentests
Alleine für "Raketentests" ob nun Interkontinental oder nicht gehören Strafen verhängt, dass man es sich nicht nochmal traut. Unnötiges Provuzieren ist das, mehr nicht. Wer heutzutage nicht in der Lage ist das alles am Computer zu berechnen und zu simulieren, der sollte sowieso die Finger von Waffen lassen.
n.nixdorff 29.11.2014
3. Militärische Stärke ist,
wie damals in der Sowjet Union, die einzige Stärke Russlands. Der Rest des Landes ist marode, die Bevölkerung lebt überwiegend in sehr bescheidenen Verhältnissen und die wirtschaftliche Leistung beschränkt sich auf vorrangig auf Öl und Gas. Die Waffenschmieden liegen zum großen Teil in der Ukraine, einer der Gründe warum Russland nicht zulassen will, dass deren Bevölkerung sich nach Europa orientiert. Was Russland jetzt mit seinen kaum verhohlenen Drohgebärden bezwecken will, ist mir nicht ganz klar. In Europa ist Russland eine starke militärische Regionalmacht, weltweit aber der NATO weit unterlegen. Mal sehen, wie lange das Geld noch für solche Spielchen reicht. Ich hoffe, das halbstarke Getue erledigt sich demnächst genauso wie 1989 die SU.
Akkin 29.11.2014
4. Die Russen haben Angst
und zeigen das Angreifer nicht ungeschoren davonkommen. U Boote können überall sein und dienen als Startrampe für Atomraketen. Man sollte mit den Russen reden und jeder sollte aufeinander zu gehen. Wir wollen alle keinen Krieg, weder die Russen noch die Deutschen.
tka2011 29.11.2014
5. @Lebonk
Treffend und auf den Punkt gebracht. In zivilisierter Perspektive nichts anders zu beurteilen. Ich hoffe, dass der - möglichst lange - weiter niedrige Ölpreis die Kreml-Infiltrationen in anderen souveränen Staaten (Ukraine, Moldau..) sehr schnell zu teuer macht. Für alle von Moskau gequälten Länder.
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