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23. Dezember 2017, 15:56 Uhr

Mittelmeer und Atlantik

Russische U-Boote nahe Datenkabeln machen Nato nervös

Am Grund des Atlantiks liegen Datenkabel, die den Internet- und Telefonverkehr zwischen Europa und Nordamerika sicherstellen. Entlang der Kabeltrassen sind immer mehr russische U-Boote unterwegs. Die Nato ist besorgt.

Russische U-Boote sind zunehmend im Mittelmeer und im Atlantik unterwegs. Dabei konzentrieren sie sich besonders auf die Gebiete, in denen Datenkabel verlaufen, sagte Andrew Lennon, Kommandeur der U-Boot-Streitmacht der Nato. "Wir sehen eine russische Aktivität unter Wasser in der Nähe der Unterseekabel, wie wir sie noch nie gesehen haben. Russland interessiert sich ganz offensichtlich für die Infrastruktur der Nato und ihrer Mitgliedstaaten", sagte Lennon der "Washington Post".

Die Kabel stellen den Internetverkehr und andere Kommunikationsverbindungen nach Europa und Nordamerika sicher. Über diese Kanäle würden auch täglich Handelsgeschäfte im Umfang von Billionen Dollar abgewickelt. Wenn es gelänge, diese Verbindungen zu kappen, hätte das immense Folgen für die globale Wirtschaft. Würden die Kabel angezapft, könnten sie Moskau wertvolle Einblicke in den internationalen Internetverkehr geben.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilt die Besorgnis seiner Militärs: "Russland hat massiv in seine Marine investiert, insbesondere in U-Boote", sagte Stoltenberg der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Seit 2014 seien 13 weitere U-Boote ausgeliefert worden. Die U-Boote operierten überall im Atlantik und auch näher an den Küstenlinien der Nato-Staaten.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg beklagt eigene Defizite

Stoltenberg wies auf die Gefahr hin, dass die Verbindung zwischen den Verbündeten in Europa und in Nordamerika gekappt werden könnte. "Wir sind ein transatlantisches Bündnis, und wir müssen deshalb in der Lage sein, Truppen und Ausrüstung über den Atlantik zu transportieren. Wir brauchen dafür sichere und offene Seewege." Zugleich wies der Nato-Generalsekretär auf Defizite der eigenen Seestreitkräfte hin. "Nach dem Ende des Kalten Kriegs hat die Nato ihre Fähigkeiten zur See vermindert, insbesondere in der Bekämpfung von U-Booten. Wir haben weniger geübt und Fertigkeiten eingebüßt", sagte Stoltenberg.

Als Reaktion darauf plant das Militärbündnis einen speziellen Kommandoposten für den Nordatlantik wieder einzurichten, den man nach Ende des Kalten Kriegs abgeschafft hatte. Zudem wollen die Nato-Verbündeten ihre Fähigkeiten zur Bekämpfung von U-Booten zügig ausbauen.

Die russischen Aktivitäten unter Wasser fügen sich in ein Muster: Am Himmel dringen Moskaus Militärflugzeuge regelmäßig in den Luftraum von Nato-Staaten ein, im September führte die Armee das Großmanöver "Sapad" an der Grenze zu mehreren Nato-Mitgliedstaaten durch.

syd/Reuters/dpa

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