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IS und Bürgerkrieg: Wer kämpft in Syrien gegen wen?

Foto: AP/Russian Defense Ministry Press Service; SPIEGEL ONLINE

Syrien Die Ziele der russischen und amerikanischen Bomber

Russland wirft Bomben auf Syrien. Die USA werfen Bomben auf Syrien. Sogar einen gemeinsamen Gegner gibt es: den "Islamischen Staat". Doch die Zielkarte zeigt: Moskaus Flieger treffen zum Großteil nicht den angeblichen Feind.

Russland und die USA führen in Syrien sehr unterschiedliche Kriege. Zwar haben eigentlich beide Großmächte einen gemeinsamen Gegner ausgemacht: die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Betrachtet man jedoch die Gesamtbilanz, ergibt sich ein anderes Bild. Die Terroristen des einen sind in diesem Falle tatsächlich die Freiheitskämpfer des anderen.

Russland hat am 30. September mit den Luftangriffen auf Syrien begonnen. Bisher schlugen ein Großteil der russischen Bomben im Westen des Landes ein, in Gebieten, in denen sich der IS gar nicht befindet.

Klicken Sie, um die Karte mit den russischen und die Karte mit den amerikanischen Angriffen zu sehen.

Russland bombardiert, um den Kämpfern von Baschar al-Assad gegen die syrischen Rebellen zu helfen. Diese sind für Assad die größere Gefahr als der IS. Vor allem im Nordwesten Syriens gerieten Assads Kämpfer zuletzt in Bedrängnis. Der syrische Machthaber ist ein enger Verbündeter Russlands.

Die US-Kampfjets dagegen greifen in den Konflikt zwischen Assad-Gegnern und Assad-Anhängern nicht ein. Sie bombardieren im Osten und Norden des Landes Ziele des IS. Über diese Regionen haben die Kämpfer von Baschar al-Assad schon vor Jahren die Kontrolle verloren. Zuletzt musste Assad in einer Rede zugeben, dass er nicht mehr daran glaubt, sie auf absehbare Zeit zurückerobern zu können.

Der IS hat sich seit Ende 2012 in den syrischen Bürgerkrieg eingenistet und langsam ausgebreitet. Anders als den Assad-Gegnern und Assad-Anhängern geht es ihm nicht darum, wer Syrien regiert. Er will in dem zerfallenden Staat Gebiete erobern und auf ihnen sowie in Teilen des Irak ein Kalifat aufbauen.

Russlands Verteidigungsministerium schönt seine Angaben

Zwischen dem 30. September und einschließlich dem 4. Oktober haben die USA nach eigenen Angaben 32 Angriffe auf Syrien geflogen.

  • Alle 32 galten Zielen des IS. Mit allein 19 Angriffen wurde die Umgebung von Hasaka stark bombardiert. Der IS versucht derzeit, Hasaka zu erobern.

Das syrische Regime teilt sich die Kontrolle über die Stadt mit den kurdischen Volksverteidigungskräfte (YPG), welche der Partei der Demokratischen Union (PYD) unterstehen, dem syrischen Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Die russische Regierung hat nach eigenen Angaben zwischen dem 30. September und dem 4. Oktober täglich ein Dutzend Angriffe auf Syrien geflogen. Die US-Zeitung "New York Times" kommt bei ihrer Analyse  der russischen Bombardierungen auf rund 45 Angriffe.

  • Von den rund 45 Angriffen galten ein Drittel dem IS - und zwei Drittel den syrischen Rebellen.

Die Angaben der russischen Regierung sind mit Vorsicht zu genießen. Sie hat ein Interesse daran zu übertreiben, wie stark sie sich engagiert und wie viele russischen Angriffe dem IS gelten.

So wurde das russische Verteidigungsministerium bereits bei einer allzu offensichtlichen Lüge erwischt: Am 3. Oktober behauptete es, IS-Ziele in Rakka bombardiert zu haben. Dazu veröffentlichte es ein Video, das es bereits ein paar Tage zuvor gezeigt hatte, damals mit der korrekten Bezeichnung: Bombenangriffe auf das Dorf Latamnah bei Hama.

Dort befinden sich die Einheiten des IS gar nicht, wohl aber die syrischen Rebellen.

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