Inhaftierter Amerikaner US-Botschafter besucht angeblichen US-Spion in Russland

Er sei "bei einem Akt der Spionage" ertappt worden: Deshalb sitzt der US-Amerikaner Paul Whelan in Russland in Haft. Die USA fordern Aufklärung - und durften den Gefangenen nun erstmals besuchen.

Paul Whelan
WHELAN FAMILY/HANDOUT/EPA-EFE/REX

Paul Whelan


Ende Dezember war der US-Amerikaner Paul Whelan in Russland verhaftet worden. Der Vorwurf: Er sei ein Spion. Tage nach der Festnahme haben die russischen Behörden nun dem dem US-Botschafter in Moskau Zugang zu Whelan gewährt.

Botschafter Jon Huntsman habe den Mann im Lefortovo-Gefängnis der russischen Hauptstadt besucht, hieß es am Mittwochabend (Ortszeit USA) aus dem Außenministerium in Washington. Der Diplomat habe dabei die Unterstützung der Botschaft angeboten und anschließend mit Whelans Familie telefoniert.

Die US-Regierung hatte von Russland dringend Aufklärung zu der Festnahme Whelans gefordert. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Mittwoch am Rande eines Besuches in Brasilien, die US-Regierung wolle erfahren, was dem Mann vorgeworfen werde. Wenn seine Inhaftierung nicht rechtmäßig sei, werde man seine sofortige Freilassung verlangen.

Whelan drohen zehn bis 20 Jahre Haft

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte den Mann in Moskau bereits am 28. Dezember festgenommen. Er sei auf frischer Tat "bei einem Akt der Spionage" ertappt worden, teilte der FSB am Montag mit. Nähere Angaben zu den Umständen wurden nicht gemacht. Bei einer Verurteilung drohten dem Mann zwischen zehn und 20 Jahre Haft, hieß es in der FSB-Mitteilung, aus der die Agentur Tass zitierte.

Der Bruder des Mannes, David Whelan, hatte dem US-Fernsehsender CNN am Mittwoch gesagt, er halte es nicht für möglich, dass sein Bruder ein Spion sei. Dieser sei wegen einer Hochzeit in Moskau gewesen.

In Washington gibt es gleichzeitig einen ähnlichen Fall: Dort steht die russische Studentin Maria Butina als Agentin vor Gericht. Sie soll im Auftrag russischer Stellen versucht haben, Einfluss auf politische Organisationen in den USA zu nehmen.

Das Verhältnis zwischen Russland und den USA ist derzeit extrem angespannt. Gründe dafür sind unter anderem die anhaltende Krimkrise und die mutmaßliche Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahlen in den USA. Zuletzt bot Russlands Präsident Waldimir Putin seinem amerikanischen Amtskollegen Donald Trump in einem Neujahrsschreiben einen "weitreichenden Dialog an".

aev/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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dasfred 03.01.2019
1. Wie du mir, so ich dir
Die große Politik nähert sich immer mehr dem Kindergarten Niveau. Als nächstes wird wohl ganz klassisch ein Austausch verhandelt.
christianhaueter 03.01.2019
2. Wegen Diebstahl unehrenhaft entlassen!
Wie die "Washington Post" berichtet ist Whelan 2008 wegen Diebstahls verurteilt und unehrenhaft aus dem US-Marine Corps entlassen worden. Schade, dass der Spiegel das nicht berichtet.
rainer60 03.01.2019
3. grundsätzlich
seltsam. in der presse wird immer von - russischen spionen und - von spionage verdächtigte us-bürger geschrieben. vielleicht würde in beiden fällen etwas recherche helfen.
OlliFussballfan 03.01.2019
4. David oder Paul?
Welcher Mr. Whelan sitzt denn nun in Haft? Dem fett gedruckten Text nach ist es David, im weiteren Text ist es Paul. Erbitte Aufklärung!
atipic 03.01.2019
5. Warum
angeblicher und nicht mtmaßlicher Spion? Will jemand den Leser anhand der Sprache manipulieren? Der Leser soll sich selber - anhand der neutralen Berichterstattung - ein Bild machen!
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