Russland Vize-Premier will "Teile der Sowjetunion einsammeln"

Die Annexion der Krim durch Russland war erst der Anfang - meint zumindest Russlands Vize-Regierungschef Rogosin. Er twitterte: Es sei nach dem Zerfall der Sowjetunion jetzt "Zeit, die Teile einzusammeln".
Vize-Regierungschef Rogosin: "Wer wusste damals, dass es ein Vierteljahrhundert weiterbröckeln würde?"

Vize-Regierungschef Rogosin: "Wer wusste damals, dass es ein Vierteljahrhundert weiterbröckeln würde?"

Foto: Yekaterina Shtukina/ AP

Moskau - Der 12. Juni ist in Russland ein nationaler Feiertag zum Gedenken an die Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1990. Der Vize-Regierungschef Dmitrij Rogosin nutzte ihn, um über Twitter zu verkünden: Die Krim sei erst der Auftakt gewesen. Ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Zerfall der Sowjetunion sei es "Zeit, die Teile einzusammeln".

Am 12. Juni 1990 sei "der erste Riss im sowjetischen Felsen aufgetaucht", twitterte Rogosin am Donnerstag. "Danach kam es zum Einsturz. Wer wusste damals, dass es ein Vierteljahrhundert weiterbröckeln würde? Es ist an der Zeit, die Teile einzusammeln."

Erst kürzlich hatte sich Rogosin dafür eingesetzt, der Stadt Wolgograd ihren symbolträchtigen Namen Stalingrad zurückzugeben. Dies sollte "nicht zu Ehren Stalins" geschehen, sondern zu Ehren der Einwohner der Stadt, schrieb der stellvertretende Premier.

Rogosin ist für seine Provokationen bekannt. Den Rumänen drohte der nationalistische Vize-Regierungschef Mitte Mai, als sie ihm den Überflug verweigert hatten: "Das nächste Mal komme ich mit einer TU 160" - einem Langstreckenbomber.

Präsident Wladimir Putin beging den Feiertag mit einer prunkvollen Medaillenverleihung im Kreml. Anderthalb Jahre nach der "Souveränitätserklärung" folgte im Dezember 1991 die Unabhängigkeit Russlands, was mit dem Verschwinden der Sowjetunion einherging.

Auch Putin werden Bestrebungen nachgesagt, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen. Er bezeichnete den Zerfall der Sowjetunion einst als "größte geopolitische Katastrophe" des 20. Jahrhunderts.

Erst vor wenigen Wochen hatte Putin mit seinen Kollegen aus den früheren Sowjetrepubliken Kasachstan und Weißrussland eine "eurasische Wirtschaftsunion" verkündet - als Konkurrenz zur EU. Sein Versuch, auch die Ukraine einzubinden, scheiterte indes am Westkurs Kiews.

Im März nahm Russland die ukrainische Halbinsel Krim in die Russischen Förderation auf, was weltweit Sorgen vor einem neuen Kalten Krieges hervorrief. Für den Westen ist Russlands Aufnahme der Krim eine völkerrechtswidrige Annexion. Die EU und die USA bestraften führende russische Politiker deswegen mit Sanktionen. Zu denjenigen, gegen die ein Einreiseverbot verhängt wurde, gehört auch Vize-Regierungschef Rogosin.

heb/AFP