Fall Skripal Moskau weist OPCW-Bericht zurück, London fordert Konsequenzen

Russland ist empört, Großbritannien beantragt eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrates: Nachdem die OPCW-Ermittler ihre Erkenntnisse im Fall Skripal veröffentlicht haben, gehen die Reaktionen weit auseinander.
OPCW-Ermittler mit Koffer

OPCW-Ermittler mit Koffer

Foto: Peter Nicholls/ REUTERS

Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) hat einen Expertenbericht zum Fall des vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter Julija veröffentlicht. Die Ermittler bestätigten gut einen Monat nach dem Attentat auf der Basis von Boden-, Gewebe- und Blutproben die britischen Angaben, nach denen der in der früheren Sowjetunion fabrizierte Stoff Nowitschok verwendet worden war. Die OPCW äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift kam und wer daher vermutlich für den Anschlag Anfang März im südenglischen Salisbury verantwortlich ist.

Großbritannien hat nun eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats zu dem Thema beantragt. Das Treffen solle voraussichtlich in der kommenden Woche stattfinden. Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, der OPCW-Bericht stütze seine Schlussfolgerung.

Das Ergebnis basiere auf Tests von vier unabhängigen, hoch angesehenen Labors aus aller Welt. Alle hätten dieselben schlüssigen Ergebnisse. "Es kann keinen Zweifel daran geben, was benutzt wurde, und es verbleibt keine alternative Erklärung darüber, wer dafür verantwortlich ist - nur Russland hat die Möglichkeiten, Motive und die Vorgeschichte." Der Kreml müsse nun Antworten geben.

Die russische Regierung wies die Verdächtigungen erneut zurück. Russland habe keine anderen Kampfstoffe besessen als jene, die der OPCW gemeldet worden seien, sagte der stellvertretende Industrieminister Georgi Kalamanow in Moskau. Diese seien alle bis 2017 unter Aufsicht der OPCW vernichtet worden, bekräftigte er.

Russland akzeptiere keinerlei Ermittlungsergebnisse, so lange Moskau keinen Zugang zu den Untersuchungen Großbritanniens und der OPCW erhalte, sagte zudem eine Sprecherin des Außenministeriums.

Berlin fordert Antworten von Moskau

Russland hatte genau das im Vorfeld vergeblich gefordert. Der Skripal-Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und dem Westen. Dutzende Diplomaten wurden wechselseitig ausgewiesen.

Das Auswärtige Amt in Berlin begrüßte es, dass London in dem Fall die OPCW eingeschaltet hatte und damit "für ein größtmögliches Maß an Transparenz" sorge. Großbritannien habe der Bundesregierung auf der Grundlage auch der chemischen Analyse des Giftes "detailliert dargelegt, weshalb die Verantwortung Russlands sehr wahrscheinlich ist und es keine plausible alternative Erklärung gibt", erklärte ein Ministeriumssprecher. Russland sei nun aufgerufen, "endlich eine konstruktive Rolle einzunehmen und die offenen Fragen zu beantworten".

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dop/dpa/AFP