Diplomatischer Eklat Russland wirft Polen Mitschuld am Zweiten Weltkrieg vor

Der diplomatische Disput zwischen Warschau und Moskau spitzt sich zu. Der russische Botschafter behauptet: Polen sei mitverantwortlich für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Nun wird er ins Außenministerium einbestellt.
SS-Truppen beim Militärtraining an der polnischen Grenze 1938

SS-Truppen beim Militärtraining an der polnischen Grenze 1938

Foto: AP

Der russische Botschafter Sergej Andrejew hat Polen vorgeworfen, am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit schuld zu sein. Die damalige polnische Regierung habe "vielfach den Bau einer Anti-Hitler-Koalition blockiert", sagte Andrejew in einem Interview mit dem Fernsehsender tvn24. "Polen war daher teilweise verantwortlich für die Katastrophe im September 1939."

In den vergangenen Wochen war es zwischen Warschau und Moskau mehrfach zu Streit gekommen, unter anderem wegen der Demontage sowjetischer Denkmäler in Polen. Am Freitag hatte das Moskauer Außenministerium die polnische Botschafterin Katarzyna Pelczynska-Nalecz nach Berichten über die Zerstörung eines sowjetischen Soldatenfriedhofs in Nordostpolen einbestellt. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten ist auch wegen der Ukrainekrise und wegen des Lebensmittelboykotts, den Moskau verhängt hat, angespannt.

Botschafter Andrejew warf Warschau nun vor, die Kontakte zu Moskau einzufrieren. Die polnisch-russischen Beziehungen seien auf dem "schlechtesten Stand seit 1945".

Wegen des Interviews zum Zweiten Weltkrieg will der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna den russischen Botschafter am Montag einbestellen. Schetyna sagte am Samstag, Andrejew solle Stellung nehmen zu seinen Äußerungen, die "mangelnde Geschichtskenntnis" zeigten.

Der Zweite Weltkrieg begann 1939 mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Die Sowjetunion hatte vorher einen Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich unterzeichnet und besetzte kurz nach Beginn des Feldzugs ihrerseits Ostpolen.

lov/dpa