Russlands ewiger Präsident Die Säulen für Putins Macht

Seit 18 Jahren regiert Wladimir Putin Russland - jetzt tritt er seine vierte Amtszeit als Präsident an. Was macht ihn so populär? Welche Rolle spielen Kirche und Armee? Und wie sieht seine außenpolitische Strategie aus?
Foto: MAXIM SHIPENKOV/ AFP

Zum vierten Mal legt Wladimir Putin im Mai 2018 seinen Amtseid als Präsident ab. Seit 18 Jahren führt er Russland - nun läuft eine weitere Amtszeit von sechs Jahren als Staatchef.

Am 18. März 2018 hatte Putin bei der Präsidentschaftswahl 76,69 Prozent der Stimmen geholt, ein neuer Rekord. Er scheint alternativlos - ein Bild, das von der Propaganda in den Staatsmedien gerne untermauert wird.

Allerdings hat Putin auch dafür gesorgt, dass aufsässige Oligarchen und Widersacher vertrieben und enteignet, Kritiker zum Schweigen gebracht wurden. Medien, die Justiz, das Parlament, die Wirtschaft wurden fast vollständig unterworfen.

Worauf basieren seine Macht und enorme Popularität? Welche Rolle spielen Kirche, Sport und Armee? Wie sieht der Präsident die außenpolitische Bedeutung seines Landes? Ein Überblick:

Wladimir Putins vierte Amtszeit als Präsident - Endlich verständlich

Das Machtsystem von Wladimir Putin basiert weniger auf einer bürokratischen Hierarchie als auf persönlichen Beziehungen. Seit Putin Russland im Jahr 2000 übernahm, hat er um sich herum ein informelles Netzwerk gebildet - eine Machtelite, der er vorsteht. Es sind Vertraute, die er oft seit Jahrzehnten kennt.

Dem inneren Machtzirkel gehören insgesamt einige Dutzende Vertreter der unterschiedlichen Interessengruppen an: Das sind Angehörige der Sicherheitsorgane, die Silowiki genannt werden, Wirtschaftsliberale, Kirchenrepräsentanten und Oligarchen.

Da ist der Milliardär und Bauunternehmer Arkadi Rotenberg, den Putin seit seiner Kindheit kennt. Er baut für Milliarden Euro Pipelines für Gazprom und die Brücke, die die Krim mit dem russischen Festland verbindet. Oder Igor Setschin, Chef von Russlands größtem Ölkonzern Rosneft mit besten Beziehungen zum Geheimdienst. Er war einst Putins Privatsekretär zu dessen Zeit als Vizebürgermeister im heutigen Sankt Petersburg. Dort lernte Putin auch den eher wirtschaftsliberalen Dmitrij Medwedew kennen, heute ist er Premier.

Sie alle ringen hinter den Kulissen um Einfluss, Ressourcen und Putins Gunst. Der treibt die Prozesse voran, gibt den Moderator wie in einer Art Politbüro, der zwischen den konkurrierenden Gruppen die Interessen ausbalanciert.

Die Öffentlichkeit erfährt meist erst von Verwerfungen, wenn das Ergebnis vorliegt. Etwa als Wladimir Jakunin, der lange dem Machtzirkel angehörte, im August 2015 als Chef der russischen Bahn gehen musste. Doch nicht immer muss es ein Mitglied der Machtelite selbst betreffen, im November 2017 etwa wurde Ex-Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew vom FSB abgeführt und später zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem er Streit mit Setschin gehabt hatte.

Autoren: Christina Hebel, Benjamin Bidder

Mitarbeit: Ekaterina Kuznetsova

Schlussredaktion: Lena Ekelund

Dokumentation: Mara Küpper

Bildredaktion: Maxim Sergienko

Produktion: Guido Grigat

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