Offshore-Enthüllungen in Russland Putins Vizepremier in dubiose Geschäfte verwickelt

Ein einflussreicher Vizepremier von Wladimir Putin ist in den Offshore-Skandal verstrickt. Igor Schuwalow ließ Geschäfte mit Oligarchen über Firmen in Übersee abwickeln und verdiente Millionen. Ein Grund für seinen Rücktritt? Nicht in Russland.

Igor Schuwalow spricht mit Wladimir Putin (Archivbild): Fragwürdiges Geschäftsgebaren?
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Igor Schuwalow spricht mit Wladimir Putin (Archivbild): Fragwürdiges Geschäftsgebaren?

Von , Moskau


Wenn Wladimir Putin Minister und hochrangige Beamte versammelt, um in seiner Residenz Nowo-Ogarjowo über die Wirtschaftslage im Riesenreich zu beraten, darf Vizeregierungschef Igor Schuwalow direkt neben dem Staatschef Platz nehmen. Schuwalow diente schon unter Präsident Jelzin als Abteilungsleiter der staatlichen Vermögensverwaltung, wurde Vizeminister für Staatseigentum. Putin machte ihn erst zum stellvertretenden Leiter der Kreml-Verwaltung und später zum Mitglied seiner Regierung.

Aufsehen erregt nun sein privates Geschäftsgebaren. Schuwalows Name taucht in den Berichten des internationalen Journalistenkonsortiums auf, dem rund 2,5 Millionen Dokumente über Steueroasen in aller Welt zugespielt wurden. Zu den Medien, die den Datenschatz derzeit auswerten, gehören unter anderem der "Guardian", die "Süddeutsche Zeitung" und der NDR.

Schuwalows Ehefrau Olga taucht laut dem "Guardian" in diesen Dokumenten des Offshore-Leaks genannten Enthüllungsprojekts als Eignerin von Severin Enterprise Inc. auf, einem auf den britischen Jungferninseln registrierten Unternehmen. Severin gehörten wiederum mehrere Tochterfirmen, darunter die Sevenkey Limited, über die Millionendeals mit russischen Oligarchen abgewickelt wurden.

In Moskau sind die Reaktionen in Politik und Presse bislang allerdings verhalten. Das liegt auch daran, dass Schuwalows Offshore-Geschäfte seit Jahren ein offenes Geheimnis sind. Im März 2012 berichtete bereits die "Financial Times" über Sevenkey und Severin. Offiziell deklarierte Schuwalow 2012 gemeinsam mit Gattin Olga ein Einkommen von rund 1,1 Millionen Euro. Daneben besitzen beide Immobilien in Russland, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und laut österreichischen Medien das "Waldschlössl" am Attersee.

Als Vizeregierungschef ist Schuwalow zuständig für wichtige Bereiche von Moskaus Wirtschaftspolitik, die Vorbereitung des russischen Beitritts zur Welthandelsorganisation (WTO) etwa, Zölle und die Entwicklung von Sonderwirtschaftszonen im Riesenreich.

Dass sein Vermögen möglicher Weise zweifelhaften Ursprungs sein könnte, darüber hatte bereits im Dezember 2011 der Finanzmagazin "Barron's" berichtet. "Wie ein Putin-Gehilfe 119 Millionen Dollar verdiente", stand über dem Artikel, der die rätselhaften Finanztransaktionen von Schuwalows Sevenkey beleuchtete. Die Offshore-Firma hatte laut Bankunterlagen einen Kredit in Höhe von 49,50 Millionen Euro an die auf Zypern registrierte Gallagher Holding vergeben. Das Unternehmen gehört dem Öl- und Stahlmagnaten Alischer Usmanow. Laut der russischen Forbes-Ausgabe führt Usmanow die Liste von Russlands Oligarchen zur Zeit mit 18,1 Milliarden Dollar an.

Wofür brauchte der Milliardär einen Kredit des Beamten Schuwalow? Für den Kauf des britisch-niederländischen Stahlproduzenten Corus, heißt es in den Unterlagen. Der Bericht von "Barron's" vermerkt, dass Usmanow 2007 nicht nur die Darlehenssumme nebst der vereinbarten fünf Prozent Zinsen zurücküberwies, sondern 119 Millionen Dollar.

Russlands Oppositionsführer Alexej Nawalny wirft Schuwalow deshalb vor, er habe sich von Oligarchen kaufen lassen. Fragen wirft auch die Herkunft der 49,50 Millionen Dollar auf, die Schuwalows Sevenkey verliehen hat. Nawalny behauptet in seinem Blog, Strukturen der Oligarchen Roman Abramowitsch und Jewgenij Schwidler hätten das Geld überwiesen, 2004 seien so 50 Millionen Dollar an Sevenkey geflossen.

Geschadet haben die Enthüllungen Schuwalows Karriere bislang nicht. Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Vorwürfe bereits vor einem Jahr geprüft und erklärt, nichts Ungesetzliches am Geschäftsgebaren von Putins Vertrauten entdeckt zu haben. Filz und Korruption sind selten allein Grund genug für Entlassungen von Kreml-Vertrauten, sofern sie Putin ergeben sind.

Ob der "bestechliche Schuwalow wohl auch dieses Mal auf seinem Posten bleibt?", fragt Oppositionsführer Alexej Nawalny in seinem Blog. Dass die Antwort wahrscheinlich Ja heißt, weiß er selbst.



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Anton T 05.04.2013
1. öffentlich
Zitat von sysopREUTERSEin einflussreicher Vize-Premier von Wladimir Putin ist in den Offshore-Skandal verstrickt. Igor Schuwalow ließ Geschäfte mit Oligarchen über Firmen in Übersee abwickeln und verdiente Millionen. Ein Grund für seinen Rücktritt? Nicht in Russland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russlands-vize-premier-schuwalow-in-offshore-skandal-verstrickt-a-892663.html
Nein, nicht in Russland. Mittlerweile ist dort Korruption wichtigster Teil der Staatsräson, sozusagen konstituierendes Element des Putin-Apparats. Der einzige Grund, warum die Putinisten überhaupt Regierungsgeschäfte betreiben: um sich hemmungslos zu bereichern. Billionen von Euro wurden von diesen Leuten in den letzten Jahren veruntreut und außer Landes geschafft. Schuwalow ist lediglich der erste Name aus Putins Apparat, der in den Offshoreleaks-Dokumenten aufgetaucht ist. Im Zuge der weiteren Auswertung werden weitere auftauchen. Es ist zu wünschen, daß auf diese Weise wenigstens ein Teil der jeden historischen Maßstab sprengenden Dimension der Korruption in Russland publik werden wird.
uban1 05.04.2013
2. Lasst doch mal die Russen in Ruhe
Fällt euch den gar nicht auf dass es fast NUR westliche Banken/Anwaltskanzlein/Steueroasen sind über das die pöhsen Aktivitäten laufen (o.k. bis auf Singapur) ? Wenn die westlichen Demokratien wirklich was machen wollten so könnten sie doch gleich bei den eigenen Unternehmen/Banken/Anwaltskanzlein/Wirtschaftsprüfern anfangen. Wie kann es sein dass die Vorzeigeunternehmen Google, Amazon, .. eine Steuerquote im einstelligen Bereich haben (und das bei Milliardengewinnen). Der Unterschied zu den Russen ist doch dass wir im Westen ein Gesetz machen (idR werden die Gesetze eben von den Anwaltskanzlein geschrieben und wohl bewusst das eine oder andere Schlupfloch für die legale Steuervermeidung offen gelassen, unsere Politiker setzen dann in unseren Namen ihre Unterschrift drunter und fertig ist die legale blütenweisse Weste ) dass die Steuervermeidung als legal erscheinen lässt. De Fakto werden aber dem Staat/Gesellschaft Miliarden vorenthalten. Die Russen werden uns nur zur Ablenkung präsentiert damit wir bei Irland, Luxemburg und den zahlreichen britischen Übersse-Oasen bloss nicht so genau hinschauen. Und, woher stammen diese Daten? Wahrscheinlich von einem steuerfinanzierten westlichen Geheimdienst. D.h. unsere Top-Politiker wissen davon seit Jahren und haben NICHTS unternommen, insbesondere seit 2008 ist nicht wirklich viel passiert ausser das der Steuerzahler 100derte Milliarden an die reichen Opfer überweisen musste.
ElCaruso 05.04.2013
3. Bei uns...
...ist ja beispielsweise die Bestechung von Bundestagsabgeordneten auch legal, sofern der Abgeordnete das Bestechungsgeld versteuert, ist alles bestens!
derdichter 05.04.2013
4.
na das macht doch sehr sinn einen mann oder frau an der spitze der staatlichen finanzen zu stellen der auch mit finanzen umgehen kann. ist doch bloedsinn jemanden da einzustellen der kein plan hat wie man geld verdient.
KurtKnutson 05.04.2013
5.
Zitat von sysopREUTERSEin einflussreicher Vize-Premier von Wladimir Putin ist in den Offshore-Skandal verstrickt. Igor Schuwalow ließ Geschäfte mit Oligarchen über Firmen in Übersee abwickeln und verdiente Millionen. Ein Grund für seinen Rücktritt? Nicht in Russland. http://www.spiegel.de/politik/ausland/russlands-vize-premier-schuwalow-in-offshore-skandal-verstrickt-a-892663.html
Der Spiegel scheint ein schlechtes Gedächtnis in solchen Angelegenheiten zu haben. Bei uns hier in der BRD hat es sowas natürlich noch nie gegeben. Nur eines von so unglaublich vielen Beispielen. Friedrich Zimmermann (http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Zimmermann)
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