Sabotageexporte an die Sowjets CIA lieferte Hightech mit kleinen Fehlern

Während des Kalten Kriegs versuchte die US-Regierung unter Ronald Reagan, die UdSSR durch von der CIA geschmuggelte und manipulierte Technik zu sabotieren. Ein neues Buch enthüllt 20 Jahre später diese ganz besondere Form der West-Ost-Exporte.

Berlin - Als die Späher des US-Militärs im Sommer 1982 auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion eine riesige Explosion sahen, fürchteten sie das Schlimmste. Hatten die Russen dort eine neue, den USA noch unbekannte Rakete getestet? Oder gar eine Atombombe? Niemand konnte es anhand der Bilder genau erkennen, allerdings wussten die Experten, dass in dem Gebiet keine Raketen stationiert waren. Das "North American Air Defense Command" informierte sofort das Weiße Haus und versetzte die Armee in Alarmbereitschaft.

Wenige Minuten später war die Aufregung vorüber, die Freude in der CIA-Zentrale in Langley aber umso größer. Die Strategen um den damaligen Geheimdienst-Chef William L. Casey jubelten, denn die große Explosion beim Feind im Osten war weder eine Bombe noch eine Rakete. Der Feuerball war das Zeichen für einen Erfolg von Caseys Geheimdienstlern. Durch ihre Arbeit - genauer gesagt durch eine von der CIA eingefädelte Lieferung fehlerhafter Software für die Pipelinesteuerung - war eine der größten Gaspipelines in der Sowjetunion in die Luft gegangen. Auf einen Schlag war eine der wichtigsten Geldquellen Moskaus versiegt. Die Mission, abgesegnet von US-Präsident Ronald Reagan, war erfüllt worden.

Die "Abteilung T" des KGB

Die Geschichte aus den achtziger Jahren ist Teil eines Buches, das ein neues Licht auf die Zeit des Kalten Krieges wirft und über das die "Washington Post" am Freitag berichtet. Schon der Titel klingt viel versprechend. "Am Abgrund: Die Geschichte eines Insiders des Kalten Krieges". Geschrieben hat es Thomas C. Reed, ein früherer Air-Force-Mann, der während der Achtziger für den National Security Council unterhalb des Präsidenten arbeitete. 20 Jahre später enthüllt Reed nun in seinem Buch eine besonders perfide Art der West-Ost-Spionage - und -Sabotage. Demnach schmuggelte die CIA damals im Auftrag des Präsidenten fehlerhafte Technik zum Klassenfeind und versuchte so, die UdSSR in die Knie zu zwingen.

Auf die Idee für die Industriespionage der besonderen Art waren die US-Geheimdienstler laut dem Bericht der "Washington Post" Anfang der achtziger Jahre gekommen. Sie beobachteten Spione der UdSSR, die mit Hilfe moderne Technik aus den USA versuchten, den Vorsprung des Westens aufzuholen. Meist mit Delegationen der Botschaften gelangten die KGBler in die Vereinigten Staaten. Dort spitzelten die Agenten der "Abteilung T" bei Industriemessen und Flugschauen oder versuchten sich an Mitarbeiter von Militärfirmen heranzumachen. Die eine oder andere Geschichte aus Reeds Buch liest sich wie aus einem Script für "James Bond". So soll einer der Ost-Agenten bei einer Flugschau magnetische Schuhe getragen haben, um Metallproben von Boeing in die UdSSR zu schmuggeln.

"Der ultimative Bankrott statt einem blutigen Krieg"

Den wirklichen Umfang der Mission mit dem internen KGB-Namen "Line X" erfuhren die US-Geheimdienste erst zwei Jahre später. Als sie von Frankreich Material eines Überläufers erhielten, waren sie schockiert. Mehr als 200 Agenten schnüffelten laut dem "Farewell Dossier" für den KGB weltweit nach westlichem Know-how: Technik für die Industrie, Waffen für die Verteidigung. Als US-Präsident Ronald Reagan vom Ausmaß der Spionage erfuhr, gab er der CIA den Befehl zum Gegenschlag. Fortan wurden die Spione aus dem Osten bestens beliefert. Einziger Nachteil für Moskau: Die trojanischen Pferde von der CIA führten zu schweren Schäden statt zum erhofften Aufholen.

Wie viele der geheimern Gegen-Operationen der CIA stattgefunden haben, bleibt in dem Buch offen. Dafür schwelgt der Autor ganz unverhohlen in Zufriedenheit über das Erreichte. "Es war der ultimative Bankrott, nicht ein blutiger Kampf oder ein nukleares Kräftemessen, das den Kalten Krieg beendete", schreibt Reed über die CIA-Aktionen. "Am Ende wussten sie nicht mehr, welche Technik echt und welche von uns manipuliert war. Alles war verdächtig, und genau das war das Ziel der ganzen Mission."

Auch wenn Historiker diese etwas einseitige Betrachtung nicht unbedingt teilen werden, verspricht die Lektüre des Buches zumindest für Fans von Geheimdienst-Thrillern einige spannende Episoden aus der Realität.

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