Bürgerkrieg in Syrien Sacharow-Preisträgerin Saituneh in Damaskus verschleppt

Vier syrische Bürgerrechtler sind in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet nahe Damaskus verschleppt worden - darunter auch die Anwältin und Sacharow-Preisträgerin Rasan Saituneh. Sie setzt sich seit vielen Jahren für die Opfer der Geheimdienste in Syrien ein.


Damaskus - Unbekannte haben die Menschenrechtsanwältin und Sacharow-Preisträgerin Rasan Saituneh und drei weitere prominente Aktivisten aus ihrem Büro in Duma bei Damaskus verschleppt. Bewaffnete Männer überfielen die Einrichtung des syrischen Gewalt-Dokumentationszentrums und brachten Saituneh, Samira al-Chalil, Wael Hamadeh und Nassim al-Hamadi am Dienstag in ihre Gewalt, wie das Netzwerk Lokale Koordinationskomitees und al-Chalils Ehemann bestätigten.

Saituneh und das Gewalt-Dokumentationszentrum hatten im vergangenen August bei der Verbreitung von Informationen über den Chemiewaffen-Angriff in al-Ghuta al-Scharkija bei Damaskus eine wichtige Rolle gespielt. Bei dem Giftgasangriff, der den Truppen des Machthabers Baschar al-Assad zugeschrieben wurde, kamen mehrere hundert Zivilisten ums Leben. Das Massaker hatte die USA an den Rand einer militärischen Intervention gebracht. Diese konnte Damaskus abwenden, indem es sich zur Vernichtung seiner Chemiewaffen-Bestände verpflichtete.

Saituneh hatte 2011 zusammen mit vier anderen Aktivisten des "Arabischen Frühlings" den Sacharow-Preis des Europaparlaments erhalten. Seit vielen Jahren setzt sie sich unermüdlich für die Opfer der Willkürjustiz und der Geheimdienste in Syrien ein. Saituneh kritisierte allerdings Verletzungen der Menschenrechte durch alle am Bürgerkrieg beteiligten Parteien.

Ein Aktivist der Lokalen Koordinierungskomitees sagte der Nachrichtenagentur AFP, es werde eine Rebellengruppe hinter der Tat vermutet. In der seit Monaten zwischen Regierungstruppen und Rebellen umkämpften Region östlich von Damaskus sind auch radikale islamistische Gruppen wie die Nusra-Front aktiv. Die Koordinierungskomitees verurteilten die Tat und forderten die umgehende und bedingungslose Freilassung der Aktivisten.

oka/AFP/dpa



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