Saddam im Verhör "Er denkt, er sei cleverer als alle anderen"

Die Welt muss noch warten, um von Saddams Geheimnissen zu erfahren. Während die US-Regierung sich weiter nicht auf einen Prozesstermin festlegen will, spielt Hussein nach US-Angaben in den Verhören mit seinen Vernehmern Katz und Maus.


Saddam Hussein einen Tag nach seiner Festnahme
REUTERS

Saddam Hussein einen Tag nach seiner Festnahme

Washington - Der gestürzte irakische Diktator "scheint das Nehmen und Geben mit seinen Gesprächspartnern zu genießen", sagte US-Vizeaußenminister Richard Armitage gestern in einem Interview mit der Australian Broadcasting Corporation. Saddam Hussein habe sich als "ziemlich gerissener Typ" erwiesen, fuhr Armitage fort, "der denkt ganz klar, er sei cleverer als alle andern, das steht fest."

Als Armitage gefragt wurde, wann die Welt erfahren werde, was Saddam Hussein und der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis in den Vernehmungen bisher preisgegeben haben, wich er aus. Er habe einige der Aussagen gelesen und glaube, es müssten noch viele Teile zusammengefügt werden, bevor die US-Regierung sie der Öffentlichkeit zugänglich machen würde.

"Natürlich werden einige der Ergebnisse bekannt werden, wenn das Gerichtsverfahren beginnt. Leiten werden es natürlich Iraker", sagte der Vizeaußenminister. Auf die Frage, wann Saddam Hussein der Prozess gemacht werde, antwortete Armitage lediglich: "Wenn die Iraker selbst ankündigen, dass sie bereit dafür sind."

Der Ex-Diktator, der am 13. Dezember 2003 von einer US-Einheit im Irak gefasst wurde, wurde einen Monat später von den USA zum Kriegsgefangenen erklärt. Dieser Status, der vor allem in der Genfer Konvention geregelt wird, sichert ihm unter anderem eine menschenwürdige Behandlung zu. Die Ausübung von Zwang auf Kriegsgefangene ist ebenso verboten wie ihre Zurschaustellung.

Über Husseins geistige und körperliche Verfassung gibt es keine unabhängigen Angaben. Am 21. Februar besuchte ihn das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) im Rahmen seines Mandats innerhalb der Genfer Konvention. Über den Inhalt des Besuchs, an dem auch ein Arzt teilnahm, machte das IKRK wie üblich keine Angaben, außer dass Hussein der Delegation Briefe mitgegeben habe. Das IKRK übergab nach dem Besuch einen vertraulichen Bericht an die Besatzungsmächte. In einem der dem IKRK übergebenen Briefe soll sich Hussein laut einem arabischen Medienbericht über seine Haftbedingungen beschwert haben.



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