Saddams Exekution Irakische Regierung fahndet nach Quelle des Hinrichtungsvideos

Als sie die Schlinge um Saddam Husseins Hals legten, verhöhnten ihn seine Henker, filmten die Hinrichtung des Ex-Diktators. Die Regierung in Bagdad hat das Verhalten der Wachleute nun als "unangemessen" gerügt und eine Untersuchung angekündigt - aus Angst vor Racheakten der Saddam-Anhänger.


Bagdad - Die irakische Regierung will prüfen, wie es dazu kommen konnte, dass Wachleute, die bei der Exekution Saddam Husseins anwesend waren, diesen in der Minute seines Todes beschimpften und die Exekution des früheren irakischen Machthabers sogar in voller Länge filmten. Das Video kursiert seit dem Wochenende im Internet.

Fernsehbilder von der Exekution: Die Hinrichtung selbst wurde im TV nicht gezeigt
Getty Images

Fernsehbilder von der Exekution: Die Hinrichtung selbst wurde im TV nicht gezeigt

Auf der Aufnahme ist zu sehen, wie Saddam Hussein an den Galgen geführt wird. Die wackeligen Bilder deuten auf eine Aufzeichnung per Handkamera hin. Zu hören ist, wie Zeugen der Exekution den irakischen Ex-Präsidenten wenige Sekunden vor seinem Tod verhöhnen und den Namen seines größten schiitischen Widersachers rufen, des Radikalen Muktada al-Sadr. Die "Bild"-Zeitung berichtet heute von einer Version des Videos, in der die Henker nach der Hinrichtung um die Leiche Saddams tanzen sollen.

Angesichts von Warnungen, Anhänger Saddams könnten die Verbreitung des Videos als Demütigung auffassen und nach Vergeltung streben, bemüht sich die irakische Regierung nun um Schadensbegrenzung. "Es gab einige wenige Wachleute, die unangemessene Parolen brüllten", zitiert die Londoner "Times" einen Berater von Ministerpräsident Nuri al-Mailiki. Die Vorgänge seien nun Gegenstand einer Regierungsuntersuchung.

"Das Video ist extrem schädlich in jeder Hinsicht", warnte der nationale irakische Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai gegenüber der "Times". Dies gelte für die nationale Versöhnung, den Dialog zwischen der Religionsgruppen und die Politik der arabischen Staaten mit Blick auf die religiöse Gewalt im Irak. Nähere Einzelheiten nannte Rubai, der selbst bei der Exekution anwesend war, nicht.

Nach Angaben der Zeitung hat jedoch eine sunnitische Gruppierung, die in Verhandlungen mit der Regierung stand, die Gespräche abgebrochen. "Der Tod Saddams bedeutet den Tod des Versöhnungsprozesses", erklärte die Islamistische Nationale Befreiungsbewegung, eine Abspaltung von Saddams offiziell aufgelöster Baath-Partei. "Es gibt keine weiteren geheimen Verhandlungen mit einer kriminellen Regierung."

Die Bilder von der Exekution sind inzwischen eine attraktive Trophäe der schiitischen Jugend des Landes geworden. Das Video wird unter Freunden von Handy zu Handy verschickt, Telefonläden in dem 2,5 Millionen Einwohner zählenden Schiitenviertel Sadr City, in denen das Handy-Video für umgerechnet 30 Cent aus dem Internet heruntergeladen werden kann, werden von Interessenten überrannt. Auch die schlechte Qualität der Aufnahme kann die große Nachfrage nach den Bildern nicht stoppen. Entscheidend ist, dass anders als in den vom irakischen Fernsehen ausgestrahlten Sequenzen auch die Exekution selbst zu sehen ist, und das mit Ton.

Die Hinrichtung des früheren irakischen Präsidenten hatte unter der sunnitischen Bevölkerung wütende Protestaktionen ausgelöst. In Samarra wurde gestern Abend der Eingang zu einem Heiligtum der Schiiten aufgebrochen, anschließend trugen die Demonstranten eine Sarg-Attrappe mit einem Foto des Gehängten durch die Ruinen der Askarija-Moschee. Diese wurde bei einem Bombenanschlag der Sunniten im vergangenen Februar schwer beschädigt, was eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt zwischen Sunniten und Schiiten zur Folge hatte.

Der Gewalt im Irak fielen im Jahr 2006 nach amtlichen Angaben aus Bagdad insgesamt 16.273 Iraker zum Opfer. Getötet worden seien 14.298 Zivilpersonen, 1348 Polizisten und 627 Soldaten, teilten die irakischen Ministerien für Gesundheit, Inneres und Verteidigung mit.

phw/AP



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